FAZ plus ArtikelErfolgreiche Gründer

Mehr als Dönerläden

Von Josefine Janert
03.05.2021
, 12:57
Ob Apotheker, Therapeut, Anwalt oder Unternehmensberater: Viele Migrantinnen und Migranten der ersten Generation sind erfolgreiche Gründer – und zwar weit über die Gastronomie hinaus.

Dass Enhbold Neuhaus Unternehmerin ist, ist ihrem Mut und dem feucht-kalten Klima an der Nordsee zu verdanken. Neuhaus stammt aus der Mongolei; sie ist Migrantin der ersten Generation. 1996 folgte sie ihrem Mann nach Deutschland. Als sie die Sprache einigermaßen beherrschte, suchte sie eine Stelle als Russischlehrerin. Diesen Beruf hatte sie in ihrer Heimat ausgeübt. „Ich hatte keine Chance“, sagt sie. Russisch war nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion nicht gefragt.

Während eines Urlaubs an der Nordsee stellte Neuhaus fest, dass Pullover aus der Mongolei hervorragend zu mitteleuropäischen Tiefdruckgebieten passen. Sie begann, Kleidungsstücke an Bekannte zu verkaufen, mietete Stände auf Weihnachtsmärkten und Messen an. Seit 2015 hat die Frau aus dem brandenburgischen Ort Schönefeld einen Online-Shop für Kleidungsstücke aus Kaschmir, Kamelhaar und der Wolle des Yak-Rinds. Ihre Schwester führt in der Mongolei ein Unternehmen mit einer Handvoll Strickerinnen. Sie stellen her, was Enhbold Neuhaus in langen Gesprächen mit Kunden als den deutschen Geschmack herausgefiltert hat. „Wir Mongolen lieben bunte Farben“, sagt sie. „Für meine Schwester war es schwer zu verstehen, dass gerade in Berlin viel Dunkelblau, Grau und Schwarz getragen wird.“

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