FAZ plus ArtikelDie Karrierefrage

Wie verhindere ich Ideenklau?

Von Ursula Kals
10.05.2022
, 09:52
Man sollte sich vorsehen, mit wem man seine guten Ideen teilt und mit wem nicht.
Manche Kollegen haben keine Skrupel, sich mit fremden Federn zu schmücken. Gerade für Introvertierte ist der Umgang damit schwierig. Was im Ernstfall zu tun ist.
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Hätte ich meine Idee mal lieber in der Schublade gelassen!“ Mark ist Grafikdesigner. Er hat für eine Kampagne kreative Einfälle skizziert und achtlos auf dem Schreibtisch liegengelassen. Sein Kollege hat sich davon, wie er später sagen wird, „ein wenig inspirieren lassen“, lediglich Details verändert, das Ganze gescribbelt, um damit zum Chef zu eilen und Lob einzuheimsen. Harsche Worte und tagelange Sticheleien gab es indes vom genarrten Mark. Doch der Ideendieb blieb uneinsichtig. Mark hingegen hat seine Lektion gelernt: „Passiert mir nie wieder. Ich lasse nur noch belanglose Papiere auf dem Schreibtisch liegen. Alles andere schließe ich weg. Meinen Bildschirm sperre ich, sobald ich länger den Raum verlasse!“ Wettbewerbsorientierte Unternehmenskultur befördert unmoralisches Verhalten. „Das Unrechtsbewusstsein, sich mit fremden Federn zu schmücken schwindet in einer Sharing-Economy. Manche missverstehen das mit dem Teilen. Es ist klebrig und verbreitet sich immer mehr“, sagt Harald Ackerschott, Psychologe aus Bonn. „Eine Idee kann man schwer schützen. Patente gibt es immer nur für die Realisierung einer Idee.“

Eine Botschaft, die in der Gründerszene besonders üble Folgen hat, wenn nämlich Start-Ups ihre Mitkonkurrenten gründlich aushorchen, um Produkte als erste auf den Markt zu bringen. Ideenklau hat viele Facetten. Auch folgende: Einer hat einen guten Einfall, trägt ihn vor, er versandet. Wenige Tage später referiert das ein anderer und alle finden es plötzlich ganz großartig. Warum das so ist, dafür gibt es mehrere Erklärungen: Der freche „Zweitverwerter“ hat einen günstigeren Zeitpunkt abgepasst, trägt das selbstbewusster vor, hat ein anderes Renommee. Wie auch immer: Jemand schmückt sich mit dem geistigen Eigentum eines anderen. Das nachzuweisen ist herausfordernd. „Denn in den wenigsten Fällen wiederholen die Räuber die Idee einfach, sondern bauen für die Idee die Brücke“, sagt Ackerschott. „In Innovationskulturen, wo Ideen tatsächlich großzügig geteilt werden, ist das harmlos. In Systemen, wo ich für die Ausbeutung von anderen belohnt werde, werde ich gierig, auch wenn ich eigentlich ein guter Kerl bin.“

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Ursula Kals - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Ursula Kals
Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.
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