FAZ plus ArtikelModerne Führung

Sind weiche Chefs zu weich?

Von Wilhelm Felk
13.06.2021
, 11:41
Führungskräfte sollen heutzutage möglichst kumpelhaft sein, einfühlsam und verständnisvoll. Aber zu entscheiden, wann ein lieber Chef zu lieb ist, ist gar nicht so leicht.

„Fragen kostet nichts“, heißt es oft. Auch Berufsanfänger sollten sich darauf verlassen können, sonst kann es teuer werden. Ein Beispiel: Max arbeitet als Auszubildender in einer Maschinenbaufirma. Der Chef beauftragt ihn, eine Maschine für einen Kunden vorzubereiten. Die Aufgabe: Kabel abklemmen. Gesagt, getan. Als der Chef das Ergebnis sieht, traut er seinen Augen nicht. Sein Auszubildender, dem der Unterschied nicht bewusst war, hatte „abklemmen“ mit „abzwicken“ verwechselt. Anstatt die Kabel fachgerecht vom Strom zu trennen, hat er sie einfach – ohne noch mal nachzufragen – durchgeschnitten. Der Schaden: mehrere tausend Euro.

Eine traditionelle Führungskraft würde dem Lehrling ordentlich die Meinung geigen – ganz simpel. Und hoffen, dass er in Zukunft lieber einmal zu viel als einmal zu wenig nachfragt. Aber wie geht eine moderne, empathische Führungskraft, die sich flache Hierarchien und das Wohl der Mitarbeiter auf die Fahnen geschrieben hat, mit so etwas um? Da passt das klassische Tadeln von oben herab nicht so recht zur Philosophie. Andererseits kann zu viel Nachsicht zum Verhängnis werden, denn ohne Druck könnten Mitarbeiter fahrlässig handeln.

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Quelle: F.A.S.
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