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FAZ plus ArtikelEmpfänglicher für alle Reize

Wie Hochsensible im Beruf bestehen

Von Ursula Kals
 - 14:17
Ein ganz sensibles Pflänzchen: Die Orchidee

Eine Hausarztpraxis zu betreiben ist eine Herausforderung. Für Mediziner, die von Fließbandabfertigung nichts halten und Schicksale hinter Körpern sehen, trifft das in besonderer Weise zu. Andrea Grimstad ist so eine Ärztin. Früh hat sie gemerkt, dass sie anders ist als andere, mehr sieht, fühlt, riecht. Mit einer gewissen Erleichterung hat die Frau aus Frankfurt festgestellt, dass es dafür eine Erklärung gibt. Sie gehört zu den rund 15 bis 20 Prozent, die als hochsensibel gelten. „Wir sind empfindsamer, nicht empfindlicher“, erklärt die Allgemeinmedizinerin, die sich inzwischen auf das Coaching von Hochsensiblen spezialisiert hat. Geprägt hat den Begriff „highly sensitive persons“ vor rund 25 Jahren Elaine Aron. Die amerikanische Professorin hat zur Wahrnehmungsverarbeitungssensibilität empirisch geforscht.

Es ist mehr als wahrscheinlich, am Arbeitsplatz auf Hochsensible zu stoßen, und sinnvoll, zu wissen, wie sie ticken. Was genau ist Hochsensibilität? Gemeint sind Menschen, die eine geringere Reizdämpfung, also eine größere Reizempfänglichkeit haben und in kurzer Zeit mehr Reize verarbeiten müssen. „Das Gehirn ist sozusagen anders verdrahtet“, erklärt Andrea Grimstad. Lärm, viele Menschen, grelles Licht, praller Terminplan, neue Situationen und wenig Schlaf erschöpfen Hochsensible schneller als andere, sie brauchen danach eine Pause. Ein neongrelles Großraumbüro, bevölkert von extrovertierten Kollegen – so ungefähr sieht die Hölle für Hochsensible aus, die sich nur mit Stellwänden, Noise-Cancelling-Kopfhörern und Auszeiten überstehen lässt. Märtha Louise von Norwegen, Prinzessin, die im Esoterischen unterwegs ist, veranschaulicht das in einem autobiographischen Buch zum Thema: „Du fühlst dich ein bisschen wie eine App auf einem Handy, die ununterbrochen Informationen hochlädt. Wenn du sie nicht stoppst, zieht sie eine Menge Strom aus deiner Batterie.“ In der Literatur geistert auch die Metapher von fragilen Orchideen.

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Sind Sie hochsensibel?

Fragebogen von Elaine Aron, ergänzt und übersetzt von Andrea Grimstad. Den Expertinnen zufolge ist Hochsensibilität wahrscheinlich, wenn von den 23 Fragen mehr als die Hälfte (also 12) mit Ja beantwortet werden.

  • Ich nehme viele Feinheiten und Nuancen in meiner Umwelt scheinbar besonders intensiv wahr.
  • Die Stimmung von anderen Menschen hat Einfluss auf mein Befinden.
  • Ich bin eher schmerzempfindlich.
  • Ich kann an mir beobachten, dass ich an sehr betriebsamen Tagen das Bedürfnis habe, mich zurückzuziehen, vielleicht ins Bett oder in einen etwas abgedunkelten Raum, wo ich einen Moment für mich allein sein und mich stimulierenden Reizen entziehen kann.
  • Ich reagiere besonders empfindlich auf die Wirkung von Koffein.
  • Mir werden grelles Licht, starke Gerüche, kratzige Stoffe oder laute Geräusche (Sirenen etc.) schnell zu viel.
  • Mein Innenleben ist komplex und vielfältig.
  • Laute Geräusche beeinträchtigen mich sehr.
  • Kunstwerke oder Musik berühren mich oft ganz tief.
  • Ich bin sehr gewissenhaft.
  • Ich schrecke leicht hoch.
  • Wenn ich in kurzer Zeit viel zu erledigen habe, werde ich schnell etwas nervös und „hibbelig“.
  • Wenn Menschen sich in ihrer Umgebung nicht wohl fühlen, weiß ich meist, was zu tun ist, damit es ihnen besser geht - beispielsweise das Licht anpassen oder die Sitzordnung verändern.
  • Es stört mich, wenn ich gedrängt werde, zu viele Dinge in zu kurzer Zeit zu erledigen.
  • Ich bin sehr bemüht, Fehler zu vermeiden und nichts zu vergessen.
  • Actionfilme oder TV-Filme, in denen viel Gewalt vorkommt, meide ich bewusst.
  • Wenn um mich herum viel los ist, regt mich das in einer für mich unangenehmen Art und Weise auf.
  • Wenn ich sehr hungrig bin, wirkt sich das stark auf mich aus, zum Beispiel durch Beeinträchtigung meiner Konzentration oder meiner Laune.
  • Veränderungen in meinem Leben können mich ziemlich durcheinanderbringen.
  • Ich bin sehr empfänglich für zarte Gerüche oder feine Geschmacksnuancen, für leise Töne und Kunstwerke, ich habe Genuss auch an sehr feinen, ganz subtilen Reizen.
  • Für mich ist es sehr wichtig, mein Leben so zu organisieren, dass ich Ärger oder Überforderung vermeide.
  • Wenn ich in einer Konkurrenzsituation oder einem Wettbewerb bin oder wenn ich unter Beobachtung stehe, kann es passieren, dass mich das so nervös oder zittrig werden lässt, dass ich mich viel ungeschickter anstelle als sonst.
  • Als Kind hielten mich meine Eltern oder Lehrer wohl für eher schüchtern.
Quelle: F.A.Z.
Ursula Kals - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Ursula Kals
Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.
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