FAZ plus ArtikelEmpirische Forschung

Die Datenrevolution in der VWL

Von Friedemann Bieber und Ben Waltmann
05.09.2018
, 10:29
Große Datensätze und schnelle Computer verändern die Volkswirtschaftslehre. Theoretische Modelle können empirisch getestet werden. Das Fach wird wieder kritischer.
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Wenn es unter Ökonomen Einigkeit gibt, dann in diesem Punkt: Handel ist grundsätzlich eine gute Sache. Der Grundgedanke ist einfach: Wenn zwei freiwillig einen Tausch abschließen, dann profitieren beide. Auf der Ebene von Staaten ist das ähnlich. Wenn jedes Land sich auf Produkte spezialisiert, die es besonders effizient herstellen kann, dann bereichert der Austausch alle. Zwar zeigen Handelsmodelle auch, dass es innerhalb der einzelnen Länder Verlierer geben kann: Diejenigen, deren spezielle Fähigkeiten im Ausland im Überfluss vorhanden sind, werden durch eine Öffnung der Märkte schlechtergestellt. Doch bis vor kurzem war die Lehrmeinung, dass diese Effekte in den Industrieländern vernachlässigbar sind.

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Eine empirische Studie hat dieses Diktum jüngst in Frage gestellt. Im Oktober 2013 veröffentlichten David Autor, David Dorn und Gordon Hanson eine Studie zu den Auswirkungen des Handels mit China auf die amerikanischen Arbeitnehmer. Ihr Ausgangspunkt war der „China-Schock“: Von 1991 bis 2013 stieg der Anteil der Ausgaben für chinesische Güter an den amerikanischen Gesamtausgaben von 0,6 auf 4,6 Prozent. Die Ökonomen konnten zeigen, dass die neue Konkurrenz zum Verlust zahlreicher Arbeitsplätze und in vielen Regionen zu erheblich niedrigeren Löhnen geführt hat. Anders als in vielen Modellen angenommen, glich die Mobilität der Arbeitskräfte diese Effekte nicht aus. Auch Sozialleistungen ersetzten nur etwa zehn Prozent der Einkommensverluste. Geringqualifizierte Arbeitnehmer waren von dieser Entwicklung besonders stark betroffen.

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