FAZ plus ArtikelStipendien und Steuern

Wenn das Finanzamt plötzlich 100.000 Euro fordert

Von Hinnerk Feldwisch-Drentrup
20.01.2021
, 10:12
Einen amerikanischen Gastwissenschaftler des Uniklinikums Heidelberg kommt ein Stipendium teuer zu stehen. Hätte die Stiftung das verhindern können?

Er kam nach Deutschland, um ein Arzneimittel gegen ein weitverbreitetes Virus zu entwickeln. Hierzu machte die in Heidelberg ansässige Chica und Heinz Schaller Stiftung dem Virologen Steve Sampson (Name von der Red. geändert) ein großzügiges Angebot. Die Stiftungsgründerin wollte den auf seinem Forschungsgebiet anerkannten Experten unbedingt in die Universitätsstadt holen. Doch nach einigen Jahren erfolgreicher Forschung wurde das Gastspiel für Sampson zu einem Albtraum, der ihn zur Rückkehr bewegt.

Um Sampson ähnliche gute finanzielle Bedingungen zu bieten wie zuvor im Ausland, legte ihm Hans-Georg Kräusslich, der Vorsitzende des wissenschaftlichen Beirats der Stiftung, verschiedene Möglichkeiten dar. Kräusslich ist selbst Virologe und war einer der führenden Köpfe hinter der Heidelberger Exzellenz-Kampagne. Ende 2019 wurde er außerdem Dekan der Medizinischen Fakultät und Vorstandsmitglied am Universitätsklinikum Heidelberg. Anstatt einer Beschäftigung nach Tarifvertrag mit den üblichen Einschränkungen bei den Gehaltsstufen brachte er für Sampson laut Unterlagen, die dieser Zeitung vorliegen, ein Stipendium ins Spiel. Diesen Weg habe die Stiftung zuvor schon gewählt, sagte Kräusslich, etwa bei einem Mitarbeiter in seiner Abteilung, der inzwischen Professor sei. „Stipendien dieser Art sind in Deutschland steuerfrei“, schrieb Kräusslich an Sampsom, es gebe keine Beiträge für die Renten- und Arbeitslosenversicherung.

Testen Sie unsere Angebote.
Jetzt weiterlesen

Testen Sie unsere Angebote.
F.A.Z. PLUS:

  FAZ.NET komplett

F.A.Z. PLUS:

  Sonntagszeitung plus

Diesen und viele weitere Artikel lesen Sie exklusiv mit F+
Quelle: F.A.Z.
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot