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Geräusche im Großraumbüro

Tage der offenen Tür

EIN KOMMENTAR Von Nadine Bös
 - 15:26
Schulter an Schulter arbeiten – das ist im Trend und in Großraumbüros möglich. Bild: dpa

Es ist ja fürchterlich hip geworden, Bürowände einzureißen. Immer mehr Unternehmen schwören auf den Großraum; Schwarmintelligenz, Teamarbeit und Agilität inklusive. Mit im Paket kommt auch ein beträchtlicher Lärmpegel, der sich halt nicht vermeiden lässt, wenn zehn, zwanzig oder gar dreißig Leute tippen, kritzeln, telefonieren, husten, sich unterhalten und mit Kaffeebechern hantieren. Übrigens hat auch jeder Kollege sein eigenes Geräusch, so unverwechselbar wie ein bestimmter Kleidungsstil oder ein Parfüm. Es ist immer dann wahrnehmbar, wenn der- oder diejenige sich einem fremden Arbeitsplatz nähert.

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Zum Beispiel nach Art des Kollegen A.: Er hüstelt. Ein leises, aber doch vernehmbares Räuspern, das heißt: Hey, erschreck dich nicht, ich stehe gleich hinter dir. Leider hat man mittlerweile das Gefühl, A. sei permanent erkältet. Oder Kollege K.: Er schlurft. Nicht wenn er einfach so mal über den Flur geht, aber gern und hörbar in diesen Situationen, bevor er im Großraumbüro an einen Schreibtisch herantritt. Das ist praktisch, man ist stets vorgewarnt. Bloß der Praktikant hat einmal unpassenderweise empfohlen, Herr K. solle doch einen Orthopäden aufsuchen, wegen seines auffälligen Gangs.

Zu Kollegin H. würde das keiner sagen: Sie stöckelt auf klackernden Absatzschuhen; dass sie im Anmarsch ist, wissen alle schon, wenn sie auf der gegenüberliegenden Seite den Raum betritt.

Ein kleines Hosentaschen-Ankündigungs-Glöckchen

Kollege C. dagegen klimpert. Das klingt, als trage er immer ein Schlüsselbund in der Hosentasche oder ein paar Münzen. Wer weiß, vielleicht geht er oft zum Cola-Automaten und braucht immer Münzgeld? Vielleicht ist das mit dem Klimpern aber auch Absicht, ein subtiles kleines Hosentaschen-Ankündigungs-Glöckchen. Oft Thema ist auch die Variante des Kollegen S. Er nähert sich mit einem lauten „Guten Morgen“ oder „Hallo“ und einer weit nach vorn ausgestreckten Hand, bereit, geschüttelt zu werden.

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Manche finden das antiquiert, andere niedlich; jedenfalls ist es höflich. Weniger höflich ist Kollegin R. Sie schleicht sich an. Leise wie eine Katze taucht sie hinter einem auf und wartet geduldig und zum Teil minutenlang, bis man sie bemerkt. Oje, wie lange stand sie da wohl schon und hat auf dem Bildschirm mitgelesen?

In solchen Momenten wünscht man sie sich zurück, die gute alte Bürotür. Dann hätte R. bestimmt einfach angeklopft. Andererseits: Wütend hinter sich zuknallen kann man jetzt, wo da nichts mehr ist, zum Glück auch nichts mehr.

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Quelle: F.A.Z.
Nadine Bös
Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Beruf und Chance“.
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