FAZ plus ArtikelHochschulpolitik

Das Schweigen der Universitäten in der Pandemie

Von Roland Reuß
Aktualisiert am 15.11.2020
 - 16:10
Der Schriftzug ist über dem Haupteingang zur Neuen Universität der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg angebracht.
Universitäten sind Orte der wissenschaftlichen Debatte und des gesellschaftlichen Diskurses. Dass es ihnen in der Öffentlichkeit derzeit an Repräsentanz fehlt, ist eine Katastrophe. Ein Gastbeitrag.

Man stelle sich vor, Marsmenschen wären im März in der Bundesrepublik Deutschland gelandet und hätten versucht, sich während der Krise Klarheit über Machtverhältnisse und Einflusssphären in der deutschen Öffentlichkeit zu verschaffen. Schnell hätten sie begriffen, dass sich die Diskussionen im „Netz“ neutralisieren, nichts über Organisationsgrade von Öffentlichkeit aussagen – und daher ignoriert werden können. Konzentriert hätten sie sich auf die gebündelteren Kanäle: aufs Fernsehen, Radio und die nationalen Zeitungen.

Dabei hätten sie gelernt, dass Bundesministerien und Landesregierungen, Arbeitgeber- und Ärzteverbände, Gewerkschaften, Virologen, Epidemiologen und einzelne Ämter respektierte Stimmen in der Öffentlichkeit haben und dass Schulen und Kindertagesstätten (allerdings nur, weil Eltern nicht zugleich arbeiten und sich um die Kinder kümmern können) zentrale Einrichtungen sind. Worauf sie aber nie gekommen wären, ist, dass es in Deutschland so merkwürdige Institutionen wie Hochschulen gibt. Von ihnen fehlte in der Öffentlichkeit jede Spur.

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Quelle: F.A.Z.
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