FAZ plus ArtikelLage der Geisteswissenschaften

Orientierungslos im Meer der Ideologien

Von Ingolf U. Dalferth
Aktualisiert am 23.07.2020
 - 16:20
Demonstranten vor dem Oriel College in Oxford fordern die Entfernung der Statute von Cecil Rhodes.
Die Geisteswissenschaften haben sich vom Ideal urteilsfähigen Selbstdenkens abgewendet – und dadurch ihren geistigen Kompass verloren. Ein Gastbeitrag.

Die Geisteswissenschaften stecken weltweit in einer Krise. Ihre Schwierigkeiten haben in verschiedenen Fächern unterschiedliche Ursachen. Aber verlorenes wissenschaftliches Ansehen ist nicht dadurch wiederzugewinnen, dass man sich zur Avantgarde einer gerechteren Gesellschaft stilisiert. Wissenschaftliche Reputation hängt an wissenschaftlicher Leistung. Alles andere befördert Ideologisierung und führt in die akademische Bedeutungslosigkeit.

Der Weg dorthin beginnt scheinbar harmlos. Man umrankt seine Anträge und Publikationen mit gesellschaftspolitischen Signalwörtern, um Auflagen der Verwaltung umzusetzen oder die Aktualität seiner Arbeiten zu belegen. Doch wo sich Forschung und Lehre primär der Rettung der Welt verschreiben, wo sie zur Arena von Gerechtigkeitskämpfen werden, wo es bei Forschungsprojekten vor allem darum geht, Machtverhältnisse aufzudecken, da werden Macht- und Gerechtigkeitsfragen schnell zum einzig wichtigen Thema.

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Quelle: F.A.Z.
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