Auslandssemester und Corona

„Möglich machen, was möglich ist“

Von Kim Maurus
27.03.2020
, 14:06
Der Innenhof der Mailänder Universität: Norditalien ist von der Coronas-Pandmie besonders betroffen. (Archivfoto)
Die Corona-Krise hat auch Studierende im Ausland überrascht. Ob sie nun zurückkommen sollten und welche Folgen das für Stipendien hat, verrät Stephan Geifes vom Deutschen Akademischen Austauschdienst.
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Herr Geifes, aktuell befinden sich viele deutsche Studierende im Auslandssemester – würden Sie ihnen angesichts der aktuellen Corona-Virus-Pandemie empfehlen, nach Deutschland zurückzukommen?

Zunächst möchte ich Studierende in Deutschland, die ein Auslandssemester planen, bitten, die weltweite Reisewarnung des Auswärtigen Amtes ernst zu nehmen und nicht auszureisen. Allen geförderten DAAD- und Erasmus-Studierenden, die im Ausland sind, haben wir eine Rückkehr freigestellt und bitten sie zugleich nachdrücklich bei ihrer Entscheidung die weitere dynamische Entwicklung zu berücksichtigen. Grundsätzlich soll niemandem ein finanzieller Nachteil entstehen, wenn er in der aktuellen Situation sein Semester wegen der Corona-Krise abbricht und zurückkommt.

Wie stellen Sie das sicher?

Die Stipendienmonate, die ein Studierender bereits hinter sich hat, müssen nicht zurückgezahlt werden, auch wenn das Stipendienziel oder die Mindestaufenthaltsdauer durch den Abbruch nicht erreicht werden kann. Das bezieht sich sowohl auf unsere DAAD-Stipendien als auch auf Erasmus. Die Stipendien des DAAD erhalten die Studierenden monatlich. Im Erasmus-Förderprogramm bekommen die Studierenden je nach Hochschule einen Großteil ihres Gesamtstipendiums am Anfang. In der aktuellen Situation sehen wir, dass sich die EU-Kommission sehr flexibel zeigt, um finanzielle Nachteile zu vermeiden. Dazu stehen wir mit den Heimathochschulen in Kontakt.

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Soziale Distanz ist das Gebot der Stunde. Viele Unis verlegen aufgrund der aktuellen Situation ihre Lehre ins Internet. Wirkt sich das auf die Stipendien und die Anerkennung von Kursen im Ausland aus?

Die Europäische Kommission hat Mitte März für Erasmus eine neue Regelung erlassen: Man kann sein Stipendium weiter erhalten, wenn man das Lehrangebot der Gasthochschule online wahrnimmt. Diese Regelung gilt unabhängig davon, ob man sich im Gastland oder im Heimatland aufhält – allerdings unter der Voraussetzung, dass die belegten Online-Kurse die vereinbarten Lernziele nach wie vor erfüllen. Die Europäische Kommission und wir appellieren an alle Hochschulen, dies pragmatisch und im Sinne der Studierenden auszulegen. Wir setzen hier auf den guten Willen der Hochschulen, das, was möglich ist, möglich zu machen.

Manche Studierende haben derzeit keine andere Wahl, als ihren Auslandsaufenthalt abzubrechen. Jetzt sind sie besorgt. Können sie später wieder finanziell gefördert werden?

Auch hier muss man zwischen DAAD-Stipendien und Erasmus unterscheiden. Bei den längeren DAAD-Stipendien kann man den Aufenthalt unterbrechen und die Förderung zum späteren Zeitpunkt erneut erhalten – sofern noch mindestens zwei Stipendienmonate „offen“ sind. Dafür muss man sich nicht neu bewerben, das Stipendium wird ausgesetzt. Als Erasmusstudent kann man insgesamt jeweils bis zu zwölf Monate im Bachelor, im Master und in der Promotion gefördert werden. Wer ein Auslandssemester nach einem Monat abbricht, aber ursprünglich vier Monate geplant hat, dem stehen in seinem aktuellen Bildungsgang noch elf Monate zur Verfügung. Das muss dann neu beantragt werden.

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Wird es für Studierende schwieriger werden, ein Stipendium zu bekommen, wenn zu einem späteren Zeitpunkt neue Bewerber mit Nachholern in Konkurrenz stehen?

Ob es zu einem Engpass kommt, kann ich im Moment nicht absehen. Auch das Gegenteil ist möglich: Gegebenenfalls senkt die aktuelle Krise die Bereitschaft der Studierenden, ins Ausland zu gehen. Wir wissen es derzeit nicht. Was wir wissen: Wir sind dazu da, Mobilität zu fördern. Wenn diese Krise überwunden ist, bleiben wir dabei, dass akademische Mobilität etwas Gutes und Wichtiges ist. Wir werben weiter dafür, im Ausland zu studieren und nach Deutschland zu kommen, wenn die Rahmenbedingungen dafür wieder gegeben sind. Von diesem Mehrwert sind wir überzeugt.

Stephan Geifes ist Direktor der Nationalen Agentur für EU-Hochschulzusammenarbeit beim Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD).

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Maurus, Kim
Kim Maurus
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