FAZ plus ArtikelKommunikation im Job

Warum Gespräche mit Mitarbeitern so wichtig sind

Von Ursula Kals und Uwe Marx
20.07.2021
, 17:40
Laber-Alarm oder absolute Pflicht? Mitarbeitergespräche sind für gute Führung unerlässlich und lösen dennoch auf beiden Seiten des Schreibtischs Unbehagen aus. Dabei waren sie noch nie so nötig wie jetzt.

Dörthe Dehe war Ende 20, Geschäftsleiterin eines Amtsgerichts in Brandenburg und musste Mitarbeitergespräche führen. Das war damals ganz neu, und ihre Vorgesetzten waren überzeugt: Das müssen wir jetzt machen. Die Diplom-Rechtspflegerin führte diese Gespräche auf Bauchgefühl-Basis. Das ist zwei Jahrzehnte her. Heute leitet sie ein Referat beim Oberlandesgericht München, das sich unter anderem mit den Themen Führung, Personalentwicklung und Krisenintervention befasst. Dehe hat zwischenzeitlich noch Psychologie studiert, promoviert und ist fest davon überzeugt, „dass Mitarbeitergespräche ein echter Gamechanger sein können und die Beziehung zwischen Vorgesetzten mit Mitarbeitern auf ein ganz anderes Niveau bringen“.

Sie erklärt das an einem Beispiel. Häufig berät sie junge Führungskräfte, die mehr oder weniger verzweifelt über auffälliges Verhalten ihrer Mitarbeiter sprechen. Die wiederum klagen über zu viel Arbeit, fehlende Anerkennung, beginnenden Burnout. Die jungen Chefs oder Chefinnen nehmen ihnen dann Aufgaben weg, um sie zu entlasten, erreichen damit aber nur, dass sich die Mitarbeiter noch weniger anerkannt fühlen. In dieser schwierigen Situation erhoffen sich Führungskräfte schnelle, funktionierende Lösungen. Dörte Dehe empfiehlt stattdessen, regelmäßig ein klassisches Mitarbeitergespräch zu führen. Und zwar abgegrenzt von einem Beurteilungs-, Gehalts- oder Feedbackgespräch. „Also ein Gespräch ohne konkreten Anlass, aber in einem offiziellen Rahmen, um einander nahbar zu erleben. Ich verspreche: Ihr werdet viel mehr erfahren“, sagt sie den ungeduldigen Chefs.

Testen Sie unser Angebot.
Jetzt weiterlesen.

Testen Sie unsere Angebote.
F.A.Z. PLUS:

  FAZ.NET komplett

Diese und viele weitere Artikel lesen Sie exklusiv mit F+
Was ein Gespräch gut macht

Termin nicht kurzfristig ­anberaumen.

Zeit nehmen, zwischendurch aufs Handy zu schielen geht gar nicht.

Keinen strikten Leitfaden abarbeiten, aber vier große Bereiche ansprechen: Tätigkeit, Team, persönliche Anteile, ­Führung.

S ich vorbereiten, Fragen individuell überlegen.

Schreibmaterial auf den Tisch legen, sodass sich beide Notizen machen können.

Zuhören und nicht ­zutexten.

Für beide Seiten gilt: Bei ­Kritik nicht reflexartig ­kontern. Bessere Antwort: „Ich denke darüber nach.“

Wenn es mal heiß hergeht: Pausen ermöglichen, um sich zu beruhigen, Ruhe ­bewahren.

Faustregel: Die Führungskraft hat 30 Prozent Redeanteil, der Mitarbeiter 70.

Quelle: F.A.Z.
Ursula Kals - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Ursula Kals
Redakteurin in der Wirtschaft, zuständig für „Jugend schreibt“.
Autorenporträt / Marx, Uwe
Uwe Marx
Redakteur in der Wirtschaft.
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot