Kommunales Essen für Schulen

Die Stadt Frankfurt will selbst kochen

Von Florentine Fritzen
08.12.2020
, 14:43
Die IGS Nordend bekommt einen neuen Caterer. Stadträtin Weber bedauert das. Und plant, dass Schulen bald kommunales Essen bekommen.

Die Integrierte Gesamtschule Nordend bekommt einen neuen Caterer, eine Dienstleistungstochter des Arbeiter-Samariter-Bunds, und die Bildungsdezernentin teilt mit: „Es war eine knappe Entscheidung, die ich im Ergebnis bedauere.“ Der Schulelternbeirat schreibt in einer Rundmail an die Eltern, „wir alle“ seien „sehr traurig“.

SPD-Politikerin Sylvia Weber und die Schule hatten auf ein anderes Ergebnis des Vergabeverfahrens gehofft: nämlich dass sich die nun nur zweitplazierte „Cantina Buen Barrio“ durchgesetzt hätte. Das Familienunternehmen hatte schon früher für die IGS Nordend gekocht. Dann gewann im Mai 2018 der französische Großcaterer Sodexo die damalige Ausschreibung. Mehrere hundert Schüler protestierten daraufhin vor dem Sitz des Unternehmens in Rüsselsheim. Nach zwei Jahren hatte die Stadt den Vertrag dieses Jahr nicht verlängert; zurzeit versorgt der Caterer einer benachbarten Schule die IGS mit.

Am Montag teilte Weber nun also mit, es habe „erneut ein großer Caterer die Ausschreibung für sich entschieden“. Um ganz sicher zu gehen, habe sie die Auswertung sogar „zweimal vergaberechtlich prüfen lassen“. Aber es bleibt dabei: Die ASB Hessen Service soll in den nächsten zwei Jahren für die Schüler im Nordend kochen.

Als Schule und Dezernentin das schon bedauern, weiß der Caterer selbst noch gar nicht, dass er die Ausschreibung nach europäischem Vergaberecht gewonnen hat – wenn auch unter Vorbehalt, da es noch eine Widerspruchsfrist für die unterlegenen Mitbewerber gibt. Die ASB Hessen Service erfährt am Montag erst durch eine Nachfrage der F.A.Z., dass sie den Zuschlag der Vergabekommission des Magistrats erhalten soll. Der Anbieter mit Unternehmenssitz in Frankfurt, der schon für 25 andere Schulen in der Stadt kocht und an Schulkiosken nach eigenen Angaben gesunde Limonaden und Pausensnacks verkauft, sieht sich selbst allerdings nicht als Großcaterer, sondern als regionaler, auf Schul- und Kita-Essen spezialisierter Anbieter. Nach Angaben von Geschäftsführer Michael Roder hatte die ASB Hessen Service sich für das laufende Schuljahr für 17 Frankfurter Schulen beworben und für 16 schriftliche Zu- oder Absagen vom Stadtschulamt erhalten – nur für die IGS Nordend nicht.

Pilotprojekt an der IGS Nordend geplant

Stadträtin Weber will dem Caterer zwar nach eigenen Worten „eine Chance geben“, denkt aber eigentlich schon über den Zweijahresvertrag mit der ASB-Tochter hinaus. Denn danach will sie an der IGS Nordend ein Pilotprojekt zur „Rekommunalisierung der Essensversorgung“ beginnen; eine Zusammenarbeit mit der „Cantina Buen Barrio“ kann sich die Stadträtin dabei nach eigenen Worten „gut vorstellen“. Das Punktesystem, nach dem die Vergabe derzeit erfolgt, nennt Weber „formalistisch und bürokratisch“. Es bevorzuge große Unternehmen mit Bewerbungserfahrung gegenüber Familienbetrieben.

Weber erinnert an die Stadtküche, die einst alle Schulen, Kitas und die Stadtverwaltung versorgt habe. „Wenn wir wieder selbst kochen als Stadt Frankfurt, haben wir das viel besser im Griff mit der Qualität“, meint die Dezernentin. Zudem schüfe die Stadt damit sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze. Das Stadtschulamt soll nächstes Jahr in einer Machbarkeitsstudie ausloten, wie andere Städte selbst fürs Schulessen sorgen – ob mit Eigenbetrieben, Stadtteilküchen oder Elternvereinen.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Fritzen, Florentine
Florentine Fritzen
Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.
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