Schule während der Pandemie

Die Sehnsucht nach Fernunterricht stillen

EIN KOMMENTAR Von Florentine Fritzen
02.12.2020
, 11:31
Bund und Länder haben bekräftigt: Unterricht soll grundsätzlich in der Schule stattfinden. Aber die Diskussion über den Gesundheitsschutz von Schülern und Lehrern ebbt nicht ab. Damit müssen sich die Verantwortlichen auseinandersetzen.

Während die allermeisten der rund 100.000 Frankfurter Schüler mit Maske und ohne Abstand im Klassenzimmer sitzen, ziehen ungefähr 300 durch die Innenstadt und fordern Hybrid-Unterricht – verbal flankiert von Linkspartei und Lehrergewerkschaften. Am selben Abend stellt sich eine Mutter vor die Bildungspolitiker der Stadt und fleht: „Bitte kein Wechselmodell!“ Wenn Klassen je zur Hälfte in der Schule und zu Hause lernten, bedeute das 50 Prozent weniger Unterricht, behauptet sie in der Bürger-runde des Bildungsausschusses der Stadtverordneten im Rathaus Römer. „Die zocken, die essen Süßigkeiten oder verabreden sich im Einkaufszentrum mit ihren Kumpels.“ Es sei denn, die Eltern sprängen wieder ein, „vor allem die Mütter“.

Andere Eltern einer Grundschule im Westen der Stadt schreiben an den hessischen Kultusminister. Sie schlagen Alexander Lorz flexiblen Unterricht vor, um den Abstand einzuhalten: „Geben Sie uns die Möglichkeit, mit den Lehrern gemeinsam individuell zu entscheiden, wer Präsenzunterricht braucht und wer auch gut zu Hause lernen kann.“

Vorige Woche haben Bund und Länder bekräftigt, dass Unterricht grundsätzlich in der Schule stattfinden soll. Aber die Diskussion über den Gesundheitsschutz von Schülern und Lehrern ist nicht verebbt. Damit müssen sich die Verantwortlichen auseinandersetzen. Sie verweisen auf das Recht auf Bildung, den Schutzraum Schule und den zu befürchtenden Aufschrei berufstätiger Eltern. Die wiederum ahnen, dass es im Corona-Winter zwar mehr Videokonferenzen und Aufgaben über das Schulportal gäbe als im Corona-Frühling, dass beim digitalen Lernen aber deutlich Luft nach oben bleibt. Von der Betreuung ganz abgesehen.

Viele sprechen von Angst

Bildung, Kinderschutz und Elternzufriedenheit mögen Antrieb der Politik sein. Als Argument aber taugen sie nicht allein. Viele, die jetzt Klassen teilen wollen, sprechen von Angst. Darauf müssen Behörden eingehen – und immer wieder verständlich über ihre Arbeit informieren, auch wenn es in diesen Zeiten Wichtigeres zu geben scheint. Das Frankfurter Gesundheitsamt hat am Tag der Schüler-Demo ausführlich dargelegt, warum sich Schüler höchstwahrscheinlich selten in der Schule anstecken – auch wenn ein Restzweifel bleibt, weil bei vielen Infektionen nicht klar ist, wo sie geschehen sind.

Auch die Schulen können etwas tun. Für manche war der kleine Frankfurter Streik ein Anlass, über besseren Schutz nachzudenken. Vielleicht führt das ja zu kreativen Lösungen für weniger Nähe im Schulgebäude selbst. Damit die Sehnsucht nach Fernunterricht schwindet.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Fritzen, Florentine
Florentine Fritzen
Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.
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