Distanzunterricht in Bayern

Lernplattform Mebis fällt zum Lockdown-Start aus

16.12.2020
, 10:27
Bayerns Kultusminister Michael Piazolo wird von der Opposition scharf kritisiert. Er habe kein Konzept für den Unterricht im Lockdown. Zum Start desselben ging die Lernplattform des Freistaats in die Knie.

Die störanfällige Lernplattform Mebis ist zum Start des bayernweiten Lockdowns am Mittwochmorgen ausgefallen. Die Ursache sei noch unbekannt, sagte ein Sprecher des Kultusministeriums. Bei Mebis hatte es in der Vergangenheit immer wieder Probleme gegeben. Über die staatliche digitale Plattform sollen Bayerns Schüler eigentlich Lerninhalte abrufen, vor allem, wenn wie seit Mittwoch in den meisten Schulen kein Unterricht vor Ort stattfindet. Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) steht in der Kritik, weil die Lernplattform zu Stoßzeiten nach wie vor immer wieder in die Knie geht.

Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte Lehrer, Schüler und Eltern am Dienstag auf einen längeren Ausnahmezustand an den Schulen auch nach den Weihnachtsferien eingestimmt. Er gehe davon aus, dass es wegen Corona auch nach dem 10. Januar noch Wechselunterricht geben werde, sagte er. Seinem Kultusminister hatte er angesichts von Rücktrittsforderungen aus der Opposition demonstrativ den Rücken gestärkt, gleichzeitig aber verlangt, dass Wechsel- und Distanzunterricht im neuen Jahr problemlos funktionieren müssen.

„Meine klare Botschaft: Bis zum Januar muss dann genau geklärt sein, dass es im Wechsel- und Distanzunterricht keine Missverständnisse und keine Probleme gibt“, sagte Söder. „In drei Tagen was zu organisieren ist nicht einfach, aber bis 10. Januar muss das alles stehen.“

Rücktrittsforderungen von der Opposition

Am Montag, also kurz nach der Bund-Länder-Entscheidung zur Schließung der Schulen ab Mittwoch, hatte ein Schreiben des Kultusministeriums für Aufregung gesorgt, in dem es für alle Jahrgangsstufen mit Ausnahme der Abschlussklassen unter anderem hieß: „Distanzunterricht findet in den betreffenden Klassen nicht statt.“ Die Landtags-FDP forderte daraufhin am Dienstag den Rücktritt des Kultusministers.

Am Dienstag erklärte das Ministerium dann, man habe sich - abgesehen von den Abschlussklassen - für die verbleibenden drei Tage bewusst gegen verpflichtenden Distanzunterricht entschieden, „auch, um in der besonderen Lage kurz vor Weihnachten etwas Druck von allen Beteiligten zu nehmen“. Die Lehrkräfte stellten in jedem Fall Materialien zum Vertiefen, Üben und Wiederholen bereit und seien für Schüler weiterhin erreichbar. Aber selbstverständlich könne die Schule dabei, je nach Gegebenheiten vor Ort, „auch alle digitalen Formen und Strukturen des Distanzunterrichts nutzen“, betonte das Kultusministerium, also etwa Videokonferenzen, MS Teams, die Lernplattform mebis, die Schulcloud, E-Mails oder Ähnliches.

Der bildungspolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Matthias Fischbach, sagte: „Lehrermangel, Digitalisierungsdefizite, Kommunikationschaos: Bayerns Bildungspolitik krankt am Missmanagement des bayerischen Kultusministeriums.“ In der Corona-Krise zeigten sich Piazolos Schwächen überdeutlich. Nach neun Monaten gebe es weder ein verlässliches digitales Lernprogramm noch eine funktionierende Verzahnung von Präsenz- und Distanzunterricht. Der Vorfall aktuell sei „jetzt der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Piazolo muss daraus die Konsequenzen ziehen und seinen Platz freimachen.“

Grünen-Fraktionschefin Katharina Schulze sagte: „Mit diesem Move (Zug), der jetzt gestern und heute abgelaufen ist, ist das Vertrauen in die Fähigkeiten der Staatsregierung, Bildungsgerechtigkeit in Pandemiezeiten zu gewährleisten, erneut verspielt worden.“ Dafür, dass Corona bereits seit einem Dreivierteljahr präsent sei, gebe es an Bayerns Schulen im Bereich des digitalen Unterrichts noch immer erschreckende Versäumnisse. „Was macht dieser Kultusminister jeden Tag, außer Schulfamilien zu verwirren, widersprüchliche Signale zu senden und die Infrastruktur eben nicht bereitzustellen, die es für ein sicheres Lernen und Lehren in einer Pandemie braucht?“

Grünen-Fraktionschef Ludwig Hartmann erklärte, für Piazolo seien die Weihnachtsferien „Nachsitzzeit“, um endlich digitalen Unterricht an Bayerns Schulen stabil zu organisieren. „Wenn er sich das nicht zutraut, sollte er besser heute als morgen gehen“, fügte er hinzu.

Scharfe Kritik kam auch von der SPD. „Diese Kultuspolitik ist Chaospolitik pur“, sagte die Abgeordnete Simone Strohmayr. Fraktionschef Horst Arnold sagte: „Das Nichteinhalten von Versprechungen hinterlässt nicht nur einen Scherbenhaufen, sondern es beweist Konfusion.“ Dies treibe Schüler, Eltern und Lehrer zur Verzweiflung. Volkmar Halbleib (SPD) sagte Richtung Piazolo: „Sie sollten sich schon fragen, ob Sie der Richtige in diesem Amt sind.“

Quelle: dpa
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