Kultusminister gibt nach

Niedersachsen zieht Weihnachtsferien-Beginn nun doch vor

Von Reinhard Bingener, Hannover
Aktualisiert am 24.11.2020
 - 18:35
Nach langem Hin und Her: Niedersachsen will den Beginn der Weihnachtsferien nun doch vorziehen.
Der letzte Schultag soll der 18. Dezember sein. Auf Antrag können Familien diese „Vorquarantäne“ verlängern. Bisher hatte sich Kultusminister Tonne gegen die Regelung gewehrt. Die Niederlage dürfte schmerzhaft für ihn sein.

Diese Entscheidung wird man nicht nur unter infektiologischen Gesichtspunkten bewerten müssen: Das Land Niedersachsen hat am Dienstag mitgeteilt, dass der letzte Schultag vor Weihnachten nicht wie bisher geplant am Dienstag, dem 22. Dezember, stattfinden wird, sondern bereits am Freitag, dem 18. Dezember. Die längere Zeitspanne soll dazu dienen, das Infektionsrisiko in den Familien zu minimieren.

Auf Antrag können Familien diese „Vorquarantäne“ verlängern und ihre Kinder am Mittwoch, dem 16. Dezember, das letzte Mal vor Weihnachten in die Schule schicken. Zu einem ähnlichen Vorgehen hat sich bereits Nordrhein-Westfalen entschlossen, nun ziehen neben Niedersachsen auch die anderen großen Flächenländer Baden-Württemberg und Bayern nach.

Die politische Besonderheit in Niedersachsen besteht darin, dass Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) sich gegen diese Maßnahme bisher gewehrt hat und seine Linie nun korrigieren muss. Tonne hatte noch vor knapp zwei Wochen geäußert, ein Vorziehen des Ferienstarts biete lediglich eine „Scheinsicherheit“. Die Inkubationszeit des Coronavirus liege nach aktuellem Erkenntnisstand nämlich zwischen zehn und 14 Tagen.

Das war eine fragwürdige Aussage, denn das Robert-Koch-Institut (RKI) und viele bekannte Virologen gehen von einer mittleren Inkubationszeit (Median) von fünf bis sechs Tagen aus. Zehn bis vierzehn Tage beschreibt eher das 95. Perzentil der Inkubationszeit, also eher seltene Fälle.

Vor diesem Hintergrund hatte selbst der Koalitionspartner CDU in Hannover auf Vorziehen des Ferienstarts gedrungen. Tonne hatte sich diesem Gedanken jedoch verschlossen. Die nun erfolgte Kehrtwende dürfte für den Kultusminister, der nach seinem Amtsantritt im Jahr 2017 mehr Ruhe in die Bildungspolitik gebracht hat, eine Niederlage sein, die besonders schmerzt. Sein Hin und Her in der Ferien-Frage wird nämlich nicht nur von einigen Funktionären im Bildungswesen als solches wahrgenommen, sondern vermutlich von Tausenden Eltern im Land.

Der FDP-Bildungspolitiker Björn Försterling kritisierte Tonne am Dienstagnachmittag dafür, dass er den naheliegenden Vorschlag der Vorquarantäne nicht schon früher aufgegriffen hat. Försterling verbreitete zudem, Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) habe gegenüber Tonne von seiner Richtlinienkompetenz Gebrauch gemacht.

„Tonne lehnt immer wieder gute Vorschläge ab oder setzt sie spät um“, äußerte Försterling. Der CDU-Vorsitzende Bernd Althusmann lobte das Umdenken der SPD und sprach sich für eine einheitliche Linie aller Länder aus.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Bingener, Reinhard
Reinhard Bingener
Politischer Korrespondent für Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Bremen mit Sitz in Hannover.
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