<iframe title="GTM" src="https://www.googletagmanager.com/ns.html?id=GTM-WBPR4W&gtm_auth=3wMU78FaVR9TNKtaXLbV8Q&gtm_preview=env-23&gtm_cookies_win=x" height="0" width="0" style="display:none;visibility:hidden"></iframe>
FAZ plus ArtikelPlagiate

Selbstkontrolle reicht nicht

Von Stephan Rixen
Aktualisiert am 19.01.2020
 - 17:32
Nicht immer zuverlässige Quellen: Wissenschaft muss auf solide Veröffentlichungen setzen. Universitätsbibliothek in Toronto
Plagiatsüberprüfungen sind nur dann glaubhaft, wenn sie über jeden Verdacht der Befangenheit erhaben sind. Zur wissenschaftlichen Exzellenz sollte eine exzellente Aufklärung gehören. Ein Gastbeitrag.

Lebenslügen sind beliebt, denn sie halten unangenehme Wahrheiten auf Abstand, auch im Wissenschaftsbetrieb. Hier glaubt man gern, Vorwürfe wissenschaftlichen Fehlverhaltens könnten nur von der Einrichtung aufgeklärt werden, an der eine wissenschaftliche Arbeit möglicherweise irregulär entstanden ist. Praktiziert wird ein System der introvertierten Selbstkontrolle, das den Tunnelblick der betroffenen Einrichtung zum Aufklärungsprinzip erhebt. Wozu das führt, hat vor einigen Monaten der Umgang einer Exzellenz-Universität mit einem Plagiatsverdacht gezeigt, der sich gegen die Dissertation einer prominenten Politikerin richtete.

Wer feststellen will, ob plagiiert wurde, benötigt tragfähige Kriterien, die unzulässige Zitationspraktiken erkennbar machen. Das allein reicht aber nicht. Mindestens ebenso wichtig ist ein Verfahren, in dem der Plagiatsverdacht korrekt geprüft wird. Dazu gehört auch, dass jede Besorgnis der Befangenheit ernst genommen wird. Wohlgemerkt: nicht Befangenheit, sondern Besorgnis der Befangenheit. Es darf also kein Grund vorliegen, der, wie es im Verwaltungsverfahrensgesetz heißt, geeignet ist, Misstrauen gegen eine unparteiische Amtsausübung zu rechtfertigen. Die höchstrichterliche Rechtsprechung hält Misstrauen für gerechtfertigt, wenn Indizien darauf hindeuten, dass eine Person eine „innere Haltung“ einnimmt, die bei verständiger Würdigung des Sachverhalts ihre „Unvoreingenommenheit störend beeinflussen kann“. Wirkt diese Person zu irgendeinem Zeitpunkt am Verfahren mit, hat das Ergebnis der Plagiatsprüfung Misstrauen verdient. Wer die gesetzlichen Bestimmungen über die Besorgnis der Befangenheit allzu kreativ anwendet, verstärkt das Misstrauen.

Testen Sie unsere Angebote.
Jetzt weiterlesen

Testen Sie unsere Angebote.
F.A.Z. PLUS:

FAZ.NET komplett

: 65% günstiger

F.A.Z. Woche digital

F.A.Z. digital – Jubiläumsangebot

Diesen und viele weitere Artikel lesen Sie exklusiv mit F+

Quelle: F.A.Z.
  Zur Startseite

Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.