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80 Senioren im Einsatz

Rentner als Streitschlichter in der Schule

Aktualisiert am 18.02.2020
 - 16:42
Generationen im Dialog: Auf dem Pausenhof der IGS Eschersheim spricht Ernst Kucharczyk mit Schülern.
An der Integrierten Gesamtschule Eschersheim in Frankfurt helfen Senioren, Probleme unter Schülern zu lösen. Manchmal stoßen die Mentoren aber auch an ihre Grenzen.

Ein Container steht an der Seite des Schulhofs. Daran hängt ein Zettel: „Ihr habt Euch gestritten und findet keinen Ausweg? Etwas bedrückt dich, und du hast keinen zum Reden? Dann komm zu uns.“ Uns – das sind in diesem Fall Ingrid Erlewein und Ernst Kucharczyk. Die beiden Senioren sind ehrenamtlich als Streitschlichter an der IGS Eschersheim im Einsatz. „Alles was die Schüler uns anvertrauen bleibt vertraulich“, sagt Kucharczyk.

Der Neunundsechzigjährige hat früher als Bereichsleiter in einer Bank gearbeitet. „Kurz vor der Rente habe ich mir gedacht: Wenn ich aufhöre, muss ich etwas Sinnvolles machen.“ Durch einen Zeitungsartikel sei er dann auf das Projekt „Seniorpartner in School“ gestoßen. „Den meisten von uns geht es darum, etwas an die Gesellschaft zurückzugeben“, ergänzt Erlewein, die früher als Lehrerin tätig war. An der neuen Aufgabe habe sie gereizt, näher an die Schüler heranzukommen.

„Uns ist Beständigkeit wichtig“

Der Verein wurde 2001 in Berlin gegründet und finanziert sich größtenteils durch Fördergelder. Erst kürzlich hat die Spendenbewegung „Deutschland rundet auf“ 300.000 Euro zur Verfügung gestellt. Seit der Gründung wurden bundesweit etwa 1300 Mediatoren ausgebildet. Die Ehrenamtlichen sind an rund 220 Schulen aktiv. Hessenweit sind aktuell um die 80 Senioren im Einsatz, bislang im Raum Frankfurt, Gießen und Marburg. Interessierte seien sehr willkommen. „Momentan ist es schwierig, Leute zu rekrutieren“, sagt Kucharczyk.

Die Rentner werden in einer 80 Stunden dauernden Ausbildung auf ihre Tätigkeit vorbereitet. „Uns ist Beständigkeit wichtig“, sagt Kucharczyk. Wer die Ausbildung mache, solle mindestens zwei Schuljahre dabei bleiben. Später kämen Fortbildungen hinzu. Eine Schulung beschäftige sich beispielsweise mit Cybermobbing. Solche Attacken über das Netz seien schon grausam, auch weil man keinen räumlichen Abstand bekomme, sagt der Rentner. „Wir hatten hier zum Glück noch keine Fälle.“

Typische Konfliktfälle

Erlewein und Kucharczyk kommen einmal in der Woche an die Integrierte Gesamtschule. So auch an einem Vormittag im Februar. Pausenzeit, das Wetter ist eher ungemütlich, doch die Kinder und Jugendlichen tollen auf dem Schulhof. Bälle fliegen durch die Luft, es wird gelacht, getobt und geschrien. Mittendrin die beiden Senioren. Sie schlendern über den Hof. Mal werden sie dort direkt angesprochen, mal kommen die Schüler zu ihnen in den Container.

Meist geht es um typische Konfliktfälle, wie die beiden berichten. Das seien Beziehungsprobleme á la „Der spielt nicht mehr mit mir, der lässt mich links liegen“, es kämen aber auch üble Beleidigungen oder körperliche Angriffe vor. Für die Gespräche mit und zwischen den Kindern gibt es klare Regeln. Dazu gehört, sich ausreden zu lassen, einander zuzuhören und respektvoll im Umgang miteinander zu sein. Im Idealfall reiche es aus, im Gespräch zu vermitteln und es zu strukturieren, sagt Kucharczyk. Dann fänden die Schüler meist selbst eine Lösung. „Wir sagen immer wieder: wir sind weder Richter noch Therapeuten“, erklärt er. „Wir nehmen die Kinder, wie sie sind – ohne zu werten.“

Mitunter könnten die Senioren aber auch an Grenzen stoßen. „Beispielsweise bei seelischem Leid. Da können wir nur dazu ermutigen, professionelle Hilfe zu suchen.“ Schulleiterin Irmi Long schätzt die Arbeit der Mentoren. „Das ist ganz wichtig für die Kinder“, sagt sie. Die Senioren würden einen geschützten Raum anbieten, in dem sich die Kinder öffnen könnten. Natürlich ersetze das nicht die Lehrer, aber das sei auch nicht die Aufgabe. Neben Ingrid Erlewein und Ernst Kucharczyk sind an der IGS Eschersheim auch Ansprechpartner von der städtischen Jugendhilfe im Einsatz. „Je mehr Angebote es gibt, umso besser“, meint Long. Und sicher gebe es auch Kinder, die sich bei älteren Menschen besonders aufgehoben fühlten und besser Vertrauen fassen könnten.

Quelle: dpa.
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