FAZ plus ArtikelSchulen in der Corona-Krise

Wo bleibt der Plan B?

Von Heike Schmoll
11.12.2020
, 15:06
Den Sommer haben Schulbehörden und Schulen nicht ausreichend genutzt, um sich auf ein ungewisses Schuljahr vorzubereiten. Ein Gespräch mit der Unterrichtsforscherin Felicitas Thiel.

Frau Professor Thiel, die Corona-Pandemie hat die Schwachstellen des deutschen Schulsystems offengelegt, wo sehen Sie diese?

Die größte Schwäche liegt aktuell darin, dass die Kultusminister keinen Plan B als Alternative zum Präsenzunterricht haben. Viele Schulleitungen haben gute Konzepte für Hybrid- oder Distanzunterricht entwickelt. Sie sind aber zu Recht unzufrieden mit der Ausstattung und Unterstützung. Es gibt keine gemeinsamen Lernplattformen, zu wenig Endgeräte und zu wenig auf ihre Wirksamkeit geprüfte Lernsoftware. Internationale Studien zeigen, dass bei der digitalen Ausstattung deutscher Schulen großer Nachholbedarf besteht. Ohne diese Grundvoraussetzungen lässt sich ein Plan B nicht realisieren. Kultusminister und Schulbehörden haben fast ausschließlich darauf gesetzt, die Schulen so lange wie möglich offen zu halten, was im Prinzip gut ist. Immerhin haben es die Kultusminister geschafft, Bildungsfragen ganz vorn auf die Agenda zu bringen und ihre Ministerpräsidenten entsprechend mit Argumenten zu munitionieren.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Schmoll, Heike
Heike Schmoll
Politische Korrespondentin in Berlin, zuständig für die „Bildungswelten“.
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