Unterricht in Corona-Zeiten

Eltern eine Antwort geben

EIN KOMMENTAR Von Robert Maus
Aktualisiert am 20.11.2020
 - 19:10
Unterricht: Schüler mit Mund- und Nasenschutz im Klassenzimmer
Die Corona-Regeln für den Schulbetrieb irritieren viele Eltern. Dabei müsste es im Interesse der Landesregierung sein, sie mit ins Boot zu holen. Dafür sollte sie den Eltern schlüssige Antworten auf ihre Fragen geben.

Nicht wenige betrachten die Regeln zur Eindämmung der Corona-Pandemie mit einer Mischung aus Irritation und Unsicherheit. Bei ihnen handelt es sich in der Mehrzahl keineswegs um sogenannte Corona-Leugner, sondern um Bürger, denen die Sinnhaftigkeit und auch die Umsetzung einiger Maßnahmen nicht immer nachvollziehbar erscheint. Ein Beispiel für solche Zweifel sind Hessens Schulen. Es ist Eltern nur schwer zu erklären, weshalb eine Gesamtschule Wechselunterricht anbietet, während ein etwa zwei Kilometer entferntes Gymnasium den regulären Präsenzunterricht aufrechterhält. Die beiden Schulen liegen in Taunusstein, das am Freitag den sehr hohen Inzidenzwert von knapp 330 aufwies.

Das Land Hessen hat einen Hygieneplan erlassen. Dieser regelt, dass der Schulbetrieb in vier verschiedene Stufen eingeteilt wird. Die Entscheidung, welche Stufe gilt, treffen die örtlichen Gesundheitsämter aufgrund des Infektionsgeschehens. Es gibt aber offensichtlich in den Gesundheitsämtern unterschiedliche Auffassungen darüber, wann Schulen in den eingeschränkten Regelbetrieb oder aber in das Wechselmodell übergehen. Das Ergebnis ist ein Flickenteppich. Ob in Frankfurt, Wiesbaden, Offenbach oder verschiedenen Landkreisen: Eine einheitliche Linie ist nicht erkennbar.

Abgesehen davon, dass bei steigenden Infektionszahlen wieder komplette Schulschließungen drohen, müsste es im Interesse der Landesregierung sein, die Eltern ins Boot zu holen. Gelingen könnte das mit Maßnahmen, die gut nachvollziehbar sind. Vor diesem Hintergrund ist der Vorschlag der Sozialdemokraten, den Wechselunterricht verbindlich an Infektionszahlen zu koppeln, zumindest überlegenswert. Es geht nicht darum, alle Schulen absolut gleich zu behandeln, denn unterschiedliche Platzverhältnisse und Personalkapazitäten erfordern eine differenzierte Betrachtungsweise. Eine Inzidenz-Obergrenze, von der an der Schutz der Familien Vorrang hat, erscheint aber sinnvoll, zumal viele Infektionsketten nicht mehr nachvollziehbar sind.

Es geht aber auch darum, wie Menschen die Pandemiebekämpfung wahrnehmen. Wer die Videobotschaft des Taunussteiner Bürgermeisters Sandro Zehner (CDU) sieht, in der dieser von „beunruhigenden“ Zahlen spricht, kurz darauf vom nächsten Corona-Fall an der Schule seiner Kinder hört, der stellt sich die Frage: Warum ist an der Schule meiner Kinder regulärer Unterricht, während zwei Kilometer weiter das Wechselmodell gilt? Darauf sollten Eltern eine schlüssige Antwort bekommen.

Quelle: F.A.Z.
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