Tag der offenen Tür ersetzen

Schulluft schnuppern ohne Kuchen

Von Florentine Fritzen
Aktualisiert am 24.11.2020
 - 09:04
Leere im Klassenzimmer: Abermals müssen die Schulen wegen der Pandemie schließen.
Wegen der Pandemie finden die Tage der offenen Tür nur eingeschränkt statt. Wie sich Viertklässler über weiterführende Schulen informieren können – auch wenn das meist nicht persönlich geht.

Michael Haas weiß, dass sein Angebot einen echten Tag der offenen Tür nicht ersetzen kann. Aber der Leiter des Gymnasiums Nord in Frankfurt ist überzeugt: „Kinder müssen mal die Atmosphäre der Schule schnuppern können: Wie sieht es da aus, und wie fühlt es sich an?“ Wie alle weiterführenden Schulen in der Stadt muss das junge Gymnasium in Westhausen diesmal etwas Neues versuchen, um Familien mit Viertklässlern einen Einblick ins Schulleben nach der Grundschulzeit zu geben – ohne Kuchen und Klönen, Führungen und Rallyes, Probe-Unterricht und AG-Vorführungen.

Und so werden Lehrer und Mitglieder der Schulleitung an wenigstens fünf Nachmittagen im Januar Viertklässler und deren Eltern durch das leere Gebäude führen – in „Kleinstgruppen“ von vielleicht drei Kindern mit jeweils einem Elternteil. Wenn nach Schulschluss schon kein echter Alltag spürbar sein wird, gibt es am Gymnasium Nord dank der Holzmodule-Bauweise immerhin im Wortsinn etwas zu schnuppern. Außerdem stellt Haas auf die Internetseite Informationen für Eltern und – in einer eigenen Sparte – solche für Kinder. „Die interessieren sich weniger für die zweite Fremdsprache, die irgendwann kommt. Die wollen andere Schüler sehen.“ Deshalb werde auch das ein oder andere Video dabei sein.

Normalerweise laden Gymnasien, Gesamtschulen, Real- und Hauptschulen in Hessen immer zwischen November und März nicht nur zu Tagen der offenen Tür, sondern auch zu Informationsabenden für Eltern. Außerdem informieren die Grundschulen auf Elternversammlungen über das Angebot an weiterführenden Schulen und das Anmeldeverfahren.

Ohne Präsenz-Info-Abende

Aus Sicht des Staatlichen Schulamts Frankfurt gibt es einen wichtigen Unterschied zwischen den beiden Veranstaltungsarten. Denn rechtlich gesehen sind die Tage der offenen Tür ein schönes Extra, während die Informationsveranstaltungen vorgeschrieben sind. „Eltern müssen über das Prozedere des Übergangs und die weiterführenden Schulformen informiert werden“, sagt der Leitende Schulamtsdirektor Dieter Sauerhoff. In der Verordnung dazu heißt es, „Zeitpunkt, Ablauf und inhaltliche Gestaltung“ der Elternversammlungen legten die Schulleiter fest. Eine Pandemie ist in dem Rechtstext natürlich nicht vorgesehen. Aber Sauerhoff sagt, diesmal könnten die Schulen der Vorschrift auch anders als mit den traditionellen Präsenz-Info-Abenden Folge leisten. Weil die eben nicht immer möglich sind.

Die Schulen können den Eltern das Informationsmaterial also auch auf Papier oder in digitaler Form zukommen lassen. Die Einzelgespräche der Eltern von Viertklässlern mit der Klassenlehrerin oder dem Klassenlehrer dagegen dürften mit Corona-Abstand in den meisten Fällen auch persönlich möglich sein. Zusätzlich müssen die Schulen nach Sauerhoffs Angaben Telefonsprechstunden für Eltern anbieten. Außerdem richtet das Staatliche Schulamt Frankfurt in diesem besonderen Jahr auch selbst eine Hotline zum Übergang von Stufe 4 zu Stufe 5 ein. Unter der Nummer 38989128 können sich Eltern vom 14. bis 18. Dezember jeweils von 10 bis 12 Uhr und vom 18. bis 23. Januar von 14 bis 16 Uhr beraten lassen.

Ob die Schulen zusätzlich Informationsveranstaltungen per Videokonferenz oder mit wenigen Teilnehmern unter Corona-Bedingungen veranstalten, ist ihnen überlassen. An der IGS Süd in Sachsenhausen fand vorige Woche die erste Doppel-Veranstaltung statt – „mit je 39 Eltern in je einer Turnhalle“, berichtet Schulleiter Uwe Gehrmann. „Mit gut zwei Meter Abstand und Masken, aber mit echten Menschen.“ Gehrmann plant weitere Info-Abende, „wenn wir es verantworten können“. Zudem drehen Schüler und Lehrer Kurzfilme über die selbständige Gesamtschule. Zwei stehen schon auf der Internetseite, der dritte soll im Lauf der Woche folgen. „Unser Ziel ist es, bis zu den Weihnachtsferien alle sieben in Arbeit befindlichen Filme fertigzubekommen.“

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Fritzen, Florentine
Florentine Fritzen
Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.
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