Umfrage

Lehrer sehen keinen Fortschritt bei Inklusion in Schulen

Aktualisiert am 09.11.2020
 - 18:26
Für sonderpädagogische Maßnahmen aller Art fehlen oft die Ressourcen.
Die Mehrheit der Lehrer findet Inklusion an Schulen richtig. Doch seien die Voraussetzungen in den meisten Fällen nicht gegeben. Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) fordert eine neue Praxis.

Die Inklusion von Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf wird einer Umfrage unter Lehrern zufolge nur selten umgesetzt. 56 Prozent der befragten Lehrer finden eine gemeinsame Beschulung zwar grundsätzlich sinnvoll, wie die am Montag veröffentlichte repräsentative Erhebung des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) unter etwa 2000 Lehrkräften allgemeinbildender Schulen ergab. Nur rund ein Viertel der Lehrerschaft hält dies derzeit aber für praktisch umsetzbar.

Die Diskrepanz zwischen Versprechen und tatsächlich zur Verfügung gestellten Ressourcen bleibe groß, erklärte der VBE-Bundesvorsitzende Udo Beckmann. „Deshalb können die Schulen ihren Inklusionsauftrag unter den gegebenen Rahmenbedingungen nach wie vor nicht erfüllen“.

Im Schnitt bewerteten die Lehrkräfte die Inklusionspolitik der Landesregierungen und Kultusministerien mit der Schulnote 4,5. Es sei also keine Überraschung, dass sich 83 Prozent der Befragten für einen Erhalt von Förderschulen aussprechen - „ein fatales Zeugnis nach elfeinhalb Jahren Bewährungsprobe“, erklärte Beckmann.

Zu wenige Fortbildungsmaßnahmen

Um dem Förderbedarf gerecht zu werden, brauche es mehr qualifiziertes Personal in Form einer Doppelbesetzung aus Lehrkraft und Sonderpädagogen. 97 Prozent der Befragten halten das für notwendig, doch nur der Hälfte der Lehrkräfte steht laut Umfrage die entsprechende Unterstützung im Berufsalltag zur Verfügung.

Auch das Fortbildungsangebot wird von den Umfrageteilnehmern als mangelhaft bewertet. Zwar komme Inklusion in der Lehrerausbildung mittlerweile häufiger vor. Doch noch immer gibt jede dritte befragte Lehrkraft an, dass es keine speziellen Fortbildungsmaßnahmen gebe.

„Die Lehrkräfte werden ohne angemessene Vorbereitung in die neue Situation gebracht“, erklärte Beckmann. „Das ist nicht nur unfair gegenüber den Lehrkräften, sondern genauso gegenüber den Kindern - insbesondere gegenüber denjenigen, die auf besondere Fördermethoden angewiesen sind“.

Quelle: AFP
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