Kolumne „Nine to five“

Mit Farbband gegen Hacker

Von Stephan Finsterbusch
27.11.2021
, 09:21
Schreibmaschinenschrift. Alle Typen haben die gleiche Breite und Strichstärke. Denn sie müssen aushalten und ein einheitliches Schriftbild abgeben.
Papier ist geduldig, sagt man. Ja, viel zu sehr. Aber es hat einen ganz entscheidenden Vorteil in einer Welt der Hacker und Datendiebe.
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Die schöne neue Welt der Computer hat ein gewaltiges Problem: Hacker. Die hatten etwa beim sogenannten Sony-Hack vor nunmehr genau sieben Jahren auf einen Schlag massenhaft vertrauliche E-Mails und digitale Dokumente des japanischen Konzerns mit hochnotpeinlichem Tratsch aus den höheren Etagen der Filmwelt an die Öffentlichkeit befördert.

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Schauspieler- und Managergehälter wurden bekannt, geheime Verhandlungen und Vertragsklauseln. Es war bei Weitem nicht der erste Datendiebstahl, doch der bis dahin schwerste. Bis heute bleiben die Drahtzieher im Dunkeln, und bis heute weiß man nicht so recht, was man gegen Datendiebe denn nun machen soll. Dabei schlagen Hacker mittlerweile im Minutentakt zu. Regierungen, Abwehr- und Geheimdienste, Diplomaten, Forscher und auch Vorstände in Unternehmen lassen deshalb ihre Sekretariate bei ganz besonderen Schriftstücken nach wie vor gern in sehr alte, schwergängige Tasten greifen.

Eine schöne alte Underwood, eine Continental, eine Adler oder Triumph ist auch heute noch mehr als nur ein Sammlerstück. Die Schreibmaschine lebt, im Kleinen und Verborgenen zwar, doch sie lässt sich einfach nicht unterkriegen. Kein Stromanschluss und kein Internetzugang, kein Speichern, keine digitalen Spuren – wo in der virtuellen Welt nichts ist, kann auch nichts verloren gehen.

Die Maschinen mit ihren Hebeln, Walzen und Rädchen sind in der Ära superschneller Rechner und weltumspannender Glasfaserkabel zwar nicht die Lösung, aber gute Mittel für geheimnisvolle Zwecke. Sie sind schwer und viel zu groß; ihre Outputs nicht mehr handlich. Papier ist in Zeiten von Hatz, Hektik und Pandemie viel zu geduldig. Aber immerhin sicher.

Quelle: F.A.Z.
Stephan Finsterbusch  - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Stephan Finsterbusch
Redakteur in der Wirtschaft.
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