95 Millionen Euro

Zahltag für Brauerei-Manager Carlos Brito

Von Tillmann Neuscheler
04.06.2021
, 15:27
Der langjährige AB-Inbev-Chef Carlos Brito gibt im Sommer seinen Chefposten ab.
Der langjährige Chef des weltgrößten Bierkonzerns AB InBev gibt in wenigen Wochen seinen Posten ab. Im vergangenen Jahr hat er nochmal kräftig Kasse gemacht: schätzungsweise 95 Millionen Euro.
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Der scheidende Chef des Bierkonzerns AB InBev, Carlos Brito, profitiert kurz vor Ende seiner beruflichen Laufbahn beim größten Brauereiunternehmen der Welt noch einmal von früher gemachten Gehaltszusagen: Auf rund 95 Millionen Euro summieren sich nach einer Schätzung seine zugeflossen Bezüge im vergangenen Jahr, da er Aktienoptionen ausüben konnte, die ihm von seinem Arbeitgeber schon vor mehr als 10 Jahren gewährt wurden. Das geht aus einer Studie der Vergütungsberatung hkp über die Gehälter europäischer Spitzenmanager hervor, die dafür die Geschäftsberichte der europäischen Großunternehmen analysiert hat.

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Der Großteil der ausgezahlten Bezüge von Carlos Brito stammen aus Aktienoptionsprogrammen aus den Jahren 2008 und 2009, die Brito im vergangenen Jahr nutzte. So konnte er knapp 1,5 Millionen Aktien, zum Preis von rund 10 Euro beziehen und nochmal 960.000 Aktien zum Preis von rund 33 Euro. Da im Geschäftsbericht selbst kein Datum der Ausübung der Aktienoptionen angegeben ist, wurde für die Schätzung der Aktienkurs von rund 57 Euro zum Geschäftsjahresende 2020 unterstellt.

Für das vergangene Jahr selbst, wurde Brito von seinem Arbeitgeber ein deutlich geringeres Gehalt gewährt als in den Vorjahren. Lediglich 1,2 Millionen Euro. Damit rangiert der Brauerei-Manager, der im Sommer nach 17 Jahren an der Spitze von AB InBev das Zepter an seinen Nachfolger Michel Doukeris weiterreicht, am unteren Ende der in den STOXX-Aktienindices gelisteten Unternehmen. Der Fall zeigt exemplarisch, wie groß die Diskrepanz zwischen der gewährten und der tatsächlich zugeflossenen Vergütung für Manager sein kann.

Zu den Spitzenverdienern in Europa gehört laut der Untersuchung auch Linde-Chef Steve Angel: Ihm wurden für das vergangene Jahr rund 13,9 Millionen Euro gewährt. Weil aber auch er Aktienoptionen ausüben konnte, die ihm schon in den Vorjahren gewährt wurden, kam er im vergangen Jahr auf eine zugeflossene Direktvergütung in Höhe von mehr als 50 Millionen Euro, wie die F.A.Z. im April berichtet hatte.

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Abseits solcher Spitzenwerte sind die gewährten Vergütungen im Pandemie-Jahr 2020 in den führenden börsennotierten Unternehmen Europas deutlich gesunken. Die unterschiedlichen Ausweisstandards verhindern laut hkp aber einen tragfähigen europaweiten Vergleich der tatsächlich zugeflossenen Vergütungen: „Die Ausweispraxis in Europa kommt einem Flickenteppich gleich“, klagt Vergütungsberaterin Regine Siepmann.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Neuscheler, Tillmann Jörg
Tillmann Neuscheler
Redakteur in der Wirtschaft.
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