FAZ plus ArtikelMit Babybauch zur Arbeit?

Mit der Schwangeren reden statt über sie entscheiden

Von Felicitas Witte
19.11.2021
, 18:58
Mit Babybauch ist arbeiten nicht immer möglich oder erlaubt.
Eine Schwangerschaft ändert vieles im Leben einer Frau. So auch im Berufsleben, denn eine Weiterbeschäftigung kann gar verboten werden. Ein Versuch den Durchblick zu verschaffen.
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Ungestüm springt das zwölf Jahre alte Mädchen auf seine Lehrerin zu. Die Frau nimmt das Kind auf den Arm. Sie spürt das Gewicht im Rücken, und es tut weh im Unterleib. „Mein Baby“, denkt die 34 Jahre alte Frau, die im zweiten Monat schwanger ist. „Hoffentlich passiert dem nichts.“ Lange hat es gedauert, bis die Lehrerin aus Hessen schwanger wurde, und seitdem sie davon weiß, hat sie ständig Angst. Sie unterrichtet Kinder mit geistiger Behinderung, und die ticken immer mal wieder aus. Neulich schubste sie ein Junge gegen die Heizung, gestern griff sie ein anderer Junge an. „Abgesehen davon der ständige Stress – das kann nicht gut sein für mein Kind“, sagt die Lehrerin. „Ich frage mich nur, warum mein Arbeitgeber mich weiterarbeiten lässt.“ Ihren Namen will die Frau nicht in der Zeitung lesen, weil sie Ärger mit dem Arbeitgeber befürchtet.

Dass Schwangere schon vor dem Beginn des Mutterschutzes nicht mehr arbeiten müssen oder dürfen, kann aus unterschiedlichen Gründen passieren. Rechtlich wird unterschieden zwischen einem generellen Beschäftigungsverbot durch den Arbeitgeber und einem individuellen durch den Arzt. Das erste stützt sich auf arbeitswissenschaftliche und medizinische Erkenntnisse und gilt für jede Schwangere und für die gesamte Schwangerschaft. Das zweite hängt von der individuellen Situation der Frau ab, und der Arzt kann es vorübergehend oder für die gesamte Schwangerschaft empfehlen. Wie häufig in Deutschland Beschäftigungsverbote erteilt werden, ist nicht bekannt. Im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend heißt es, es gebe keine amtliche Statistik zum Mutterschutz und auch keine Daten, wie viele Frauen pro Jahr ein Beschäftigungsverbot bekommen.

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