FAZ plus Artikel50 Jahre Internet

Mondlandung auf der Erde

Von Sebastian Gießmann
23.10.2019
, 14:15
Szene aus Werner Herzogs Internetfilm „Lo and behold“
Vor fünfzig Jahren wurde die erste Internetbotschaft verschickt. Computer begannen miteinander zu „reden“, und die E-Mail entstand fast nebenbei. Es war die Geburtsstunde des Arpanet.
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Am 29. Oktober 1969 notierte Charles S. Kline um 22.30 Uhr im Laborbuch: „mit SRS gesprochen/von Host zu Host“. Mit diesem protokollarischen Eintrag dokumentierte Kline, der an der University of California in Los Angeles arbeitete, die erste gelungene Verbindung zweier Computer im Arpanet. Es handelte sich um den zweiten Kontaktversuch. Eine erste Verbindung zwischen UCLA und dem Stanford Research Institute (SRS) war noch am Login-Befehl gescheitert: Bei Eingabe des G stürzte der SDS-940-Computer in Stanford ab. Die Inbetriebnahme des Arpanet am 29. Oktober 1969 fand im Gegensatz zur Apollo-Mission nicht öffentlich statt. Sie gilt gerade deswegen als mythische zweite Mondlandung und mittelfristig größere Überraschung des Jahres – unscheinbar, aber weltverändernd.

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Andere Forschungsnetze der sechziger und siebziger Jahre, ob nun in England, Frankreich oder der Sowjetunion projektiert und teils realisiert, bleiben oft nur Experten bekannt. Das Netz der Advanced Research Projects Agency (Arpa) aber ist mittlerweile Pop. Thomas Pynchon zelebriert es als paranoisches Element seiner Kifferballade „Inherent Vice“. In der Fernsehserie „The Americans“ infiltrieren russische Spione das abgeschlossene Netz (während in der Realität die CIA nicht gelingende Vernetzungspläne der russischen Kybernetik ausspionierte).

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