Studienfinanzierung

Geld fürs Ausland

Von Lara Sogorski
06.06.2019
, 10:07
Mit welcher finanziellen Unterstützung können Studenten bei Auslandsaufenthalten rechnen? Ein Überblick über das Erasmus-Programm und weitere Finanzierungsmöglichkeiten.
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#1 Wann und für wen kommt Erasmus in Frage?

Finanzielle Unterstützung aus dem Erasmus-Programm (seit 2014/15 Erasmus-Plus) der EU kann jeder Studierende beantragen, der eine Zeitlang an einer Uni im europäischen Ausland verbringen oder ein Praktikum absolvieren will. „Erasmus bietet hierfür die größten Chancen auf eine finanzielle Unterstützung, weil der Fördertopf im Vergleich zu anderen Förderprogrammen am größten ist“, sagt Mira Maier, Gründerin und Geschäftsführerin der Informationsplattform Mystipendium.de.

Derzeit sind es 34 Programmländer: neben 28-EU-Ländern unter anderem auch die Türkei, Serbien und Norwegen. Wichtig ist, dass man an einer Hochschule immatrikuliert ist, die am Erasmus Programm teilnimmt, und dass man das erste Studienjahr bereits hinter sich hat. Welche Zielländer dann in Frage kommen, hängt davon ab, mit welchen Gasthochschulen die eigene Uni einen entsprechenden Erasmus-Koopera­tionsvertrag abgeschlossen hat.

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#2 Ist Erasmus auch für Nicht-EU-Länder möglich?

Auch der, den es über die EU-Grenzen hinaus treibt, kann zum Teil von Erasmus profitieren. „Im Vergleich zum Austausch innerhalb Europas mit Programmländern steht für diese Studienaufenthalte jedoch deutlich weniger Geld zur Verfügung“, so der Deutsche Akademische Austauschdienst auf seiner Internetseite. Zu den sogenannten Partnerländern gehören zum Beispiel Ägypten, Australien, Brasilien und Japan. Dagegen nicht förderfähig sind Aufenthalte etwa in Monaco, Katar und Saudi-Arabien. Im Grunde gelten dieselben Grundvoraussetzungen wie beim Auslandsstudium innerhalb der EU – nämlich eine reguläre Immatrikulation an einer deutschen Hochschule und dass das erste Studienjahr erfolgreich abgeschlossen ist. Darüber hinaus braucht die eigene Hochschule eine spezielle Projektförderung sowie einen Erasmus-Kooperationsvertrag mit Gasthochschulen aus Nicht-EU-Ländern.

#3 Welche finanzielle Unterstützung bietet Erasmus?

Gefördert wird pro Studienzyklus im Rahmen eines Bachelor-, Master- oder Promotionsstudiums ein Studienaufenthalt oder ein Praktikum von drei bis zwölf Monaten. Während dieser Zeit fallen keine Studiengebühren im Gastland an. „Dies ist häufig eine enorme finanzielle Erleichterung, da die Studiengebühren in einigen Ländern zum Teil einige tausend Euro betragen können“, erklärt Maier. Außerdem werden den Studierenden Registrierungs-, Prüfungs-, Labor- und Bibliotheksgebühren an der Gasthochschule erlassen.

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Des Weiteren gibt es über Erasmus eine sogenannte Mobilitätsbeihilfe, eine zusätzliche finanzielle Unterstützung also. Diese liegt in diesem Jahr bei durchschnittlich 390 Euro pro Monat – der genaue Betrag richtet sich nach Ländergruppen und liegt zwischen 330 und 450 Euro. Was davon gezahlt wird, ob Bücher, Essen oder Miete, ist jedem selbst überlassen. Für Praktika liegen die Förderbeträge etwas höher: Durchschnittlich sind es 495 Euro, wobei die Spanne zwischen 435 und 555 Euro liegt. Übrigens: Bei bis zu 300 Euro hat die Förderung keine Auswirkungen auf das Bafög. Alles darüber verringert allerdings den eigenen Bafög-Höchstsatz. Ausgezahlt wird die Förderung je nach Hochschule entweder in zwei bis drei Raten oder auch monatlich. Die letzte Rate wird in der Regel erst dann gezahlt, wenn das Auslandsstudium abgeschlossen und alle erforderlichen Unterlagen abgegeben wurden.

#4 Welche Sonderförderung gibt es?

Studierenden mit einem Grad der Behinderung von mindestens 30 beziehungsweise 50 stehen zusätzlich zum Erasmus-Stipendium weitere Förderungen zur Verfügung. Ein pauschaler Zuschuss ist ab Grad 30 möglich, ein sogenannter Langantrag ab 50. Die Höhe des pauschalen Zuschusses hängt individuell vom Zielland ab und berechnet sich aus der Differenz zwischen der maximalen und der regulären monatlichen Förderrate. Währenddessen können mit einem Langantrag bis zu 10.000 Euro beantragt werden. Hier hängt der Förderbetrag letztendlich von den realen entstehenden Mehrkosten ab, so der DAAD. Auch Erasmus-Studenten mit Kindern können einen speziellen Zuschuss beantragen.

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#5

Ist das Auslands-Bafög eine Alternative?

Wer bereits im Inland Bafög erhält, hat automatisch auch Anspruch auf die Unterstützung im Ausland. Aber auch wenn der Antrag in Deutschland abgelehnt wurde, etwa weil die Eltern zu viel verdienen, besteht die Chance auf Auslands-Bafög. Dieses kann man übrigens zusätzlich zum Erasmus-Stipendium beantragen. Ein Unterschied: Die Bafög-Unterstützung kann für mehr als zwölf Monate in Anspruch genommen werden. Allerdings müssen am Ende 50 Prozent der Gesamtsumme als zinsfreies Darlehen zurückgezahlt werden. „Wir empfehlen, für einen Antrag auf Auslands-Bafög mindestens sechs Monate vor dem Auslandsaufenthalt einzuplanen“, sagt Maier.

Für den Höchstsatz werden unter anderem neben dem Grundbedarf und der Wohnpauschale auch ein Zuschlag für Krankenversicherung und bei Bedarf Kinderbetreuung gewährt. Der Zuschlag zu den Studiengebühren beträgt für ein Studienjahr beispielsweise maximal 4.600 Euro. Für die Hin- und Rückreise steht eine Pauschale von 250 Euro innerhalb Europas und von 500 Euro für weitere Länder zur Verfügung.

#6 An wen richtet sich das Promos-Programm des DAAD?

Sollte es weder mit einem Erasmus-Stipendium noch mit Auslands-Bafög geklappt haben, kommt gegebenenfalls das Promos-Programm in Frage, dieses lässt sich nämlich nicht mit anderen Förderprogrammen kombinieren. Es gilt allerdings nur für Auslandsaufenthalte zwischen einem und sechs Monaten. Bei der Auswahl der Gast-Uni müssen Studierende zudem darauf achten, dass diese im gewählten Fachbereich keine Erasmus-Plus-Programme anbietet. Gefördert werden neben einem Auslandsstudium: Auslandsaufenthalte in Zusammenhang mit der Abschlussarbeit, Praktika, weltweite Sprachkurse, die Teilnahme an Fachkursen im Ausland und weltweite Wettbewerbs- sowie Konzertreisen.

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Der Bewerbungs- und Auswahlprozess wird direkt über die eigene Hochschule geregelt. Die Dauer der Förderung hängt von den Bestimmungen der eigenen Uni ab – die Universität Stuttgart und die Uni Bayreuth beispielsweise vergeben die finanzielle Unterstützung für bis zu drei Monate bei einem Auslandsstudium. Der Förderbetrag hängt wiederum vom Zielland ab und beträgt zwischen 300 und 500 Euro. Je nach Uni besteht zudem die Möglichkeit eines Reisekostenzuschusses. „Dieser kann bis zu 4.000 Euro betragen“, so Maier.

#7 Welche Stipendien und Förderprogramme gibt es darüber hinaus?

Je nach Zielland und Art des Aufenthalts gibt es verschiedene weitere Stipendien und Förderprogramme, die beispielsweise vom DAAD, Stiftungen oder direkt von den Auslandshochschulen vergeben werden. Der Stipendien-Finder des DAAD listet etwa 60 verschiedene Programme auf. Per Suchmaske lässt sich filtern, welche Angebote nur für Studierende, Doktoranden oder Promovierte in Frage kommen. Weitere Filter sind das Zielland und die Fachrichtung. Steht das Zielland bereits fest, kann man nach länderspezifischen Förderungen suchen: Im Rahmen des Fullbright-Stipendiums gibt es finanzielle Unterstützung für ein vier- bis neunmonatiges Studium an einer akkreditierten amerikanischen Hochschule. Wer sich zum Beispiel für ein Studium in Kanada oder Australien interessiert, kann sich beim Institut Ranke-Heinemann um eine Förderung bewerben.

Quelle: F.A.Z.
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