FAZ plus ArtikelKritische Rassentheorie

Feindliche Umarmung der Wissenschaft

Von Andreas Bikfalvi
28.07.2021
, 12:27
Die westliche Wissenschaft  wird von der kritischen Rassentheorie unter Generalverdacht gestellt.
Ohne Aussicht auf rationale Verständigung: Die Biomedizin und andere Naturwissenschaften geraten in den Strudel identitärer Ideologien, die ihre Erkenntnisgrundlage aushöhlen und sie mit Pauschalvorwürfen überziehen. Ein Gastbeitrag.

Identitäre Ideologien finden immer mehr Einzug in unsere Gesellschaft und haben bedenkliche Auswirkungen auf alle Aktivitäten des menschlichen Geistes, besonders auf die Wissenschaft und ihre verschiedenen Anwendungsbereiche wie die Medizin und Technik. Schon 2016 erschienen Warnzeichen am Horizont, die auf eine neue ideologische Vereinnahmung hindeuteten. Der Begriff der „Dekolonisierung“ der Wissenschaft war aufgetaucht, vertreten etwa durch die „Science must fall“-Bewegung aus Südafrika, die von Studenten an der Universität von Kapstadt angeführt wird. In den sozialen Netzwerken war ein verstörendes Video aufgetaucht, das die totale Zerstörung der als weiß bezeichneten Wissenschaft und deren Errungenschaften forderte.

Dies wurde in einem Artikel des britischen Magazins The Conversation aufgegriffen, in dem es unter anderem hieß: „Das koloniale Bild der Wissenschaft als Domäne des weißen Mannes prägt sogar weiterhin die gegenwärtige Wissenschaft in der westlichen Welt . . . Der unverhohlene wissenschaftliche Rassismus des neunzehnten Jahrhunderts ist nun der Idee der Exzellenz in Wissenschaft und Technologie gewichen, die ein Euphemismus für die Erhaltung von Finanzierung, Infrastruktur und wirtschaftlicher Entwicklung ist.“

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Andreas Bikfalvi ist Professor für Biomedizin an der Universität Bordeaux und dem „Institut National de la Santé et de la Recherche Médicale“ (INSERM), Frankreich.

Quelle: F.A.Z.
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