Wunschziel für Jungakademiker

Denk ich an Deutschland ...

Von Sven Astheimer
06.07.2012
, 18:00
Jungakademiker aus den Krisenstaaten Südeuropas zieht es in deutsche Industrieunternehmen. Die beliebtesten Arbeitgeber unter Europas Studenten heißen aber Google und Apple.
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Die Schuldenkrise droht in den betroffenen Länder zu einer Abwanderungswelle junger Menschen zu führen. Viele Griechen, Spanier, Italiener und Portugiesen spielen mit dem Gedanken, ihre Heimat verlassen. In Griechenland sagt mehr als jeder zweite Absolvent eines technischen Studiengangs, dass er sich nach einer Stelle im Ausland umsehen will. In Spanien und Portugal hegen jeweils mehr als 40 Prozent solche Pläne, in Italien sind es 37 Prozent. Das geht aus der größten Absolventenbefragung Europas hervor, die das Berliner Trendence-Institut durchführt. Mehr als 340.000 Absolventen von Ingenieur- und Wirtschaftswissenschaften an rund 950 Hochschulen nahmen teil. „Auffällig unzufrieden sind griechische und spanische Absolventen mit der Hochschulausbildung in ihren Ländern“, sagt Felizitas Jansen von Trendence. Nur noch etwa jeder fünfte Technikstudent aus Griechenland finde, dass die Ausbildung gut auf das Arbeitsleben vorbereitet. Das seien rund 10 Prozentpunkte weniger als noch vor drei Jahren.

Die Studierenden in den Krisenstaaten plagen große Zukunftsängste: Mehr als 94 Prozent der griechischen Business- und knapp 98 Prozent der Technikabsolventen gaben an, ihre berufliche Zukunft bereite ihnen Sorge. „Das ist europäischer Negativrekord“, sagt Janzen. Unter jungen Spaniern stieg der Anteil auf 86 Prozent. Der europäische Durchschnitt liegt bei weniger als 60 Prozent. Am unbeschwertesten sind die Norweger (23 Prozent).

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Vor allem Informatiker und Ingenieure wollen nach Deutschland

Die beliebtesten Auswanderungsziele unter den Jungakademikern sind Großbritannien, Deutschland und die Schweiz. Deutschland genießt vor allem unter angehenden Informatikern und Ingenieuren hohes Ansehen. Für spanische Technikabsolventen steht eine Stelle bei einem deutschen Industrieunternehmen sogar ganz oben auf der Wunschliste. Im Durchschnitt kann sich mehr als jeder dritte angehende Wirtschaftswissenschaftler und fast jeder zweite künftige Ingenieur vorstellen, hier zu arbeiten.

Dass Deutschland im Zuge der Wirtschaftskrise für Arbeitsmigranten attraktiver geworden ist, hat kürzlich auch die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) festgestellt. Allerdings liegt die Zahl der qualifizierten Zuwanderer aus Südeuropa immer noch deutlich hinter der aus Mittel- und Osteuropa. Laut Bundesagentur für Arbeit stieg die Zahl der Beschäftigten aus Spanien, Portugal, Griechenland und Italien im Vergleich zum Vorjahr um 26000 oder 6,3 Prozent auf knapp 450.000. Am deutlichsten fiel der Zuwachs bei Spaniern (10,7 Prozent) und Griechen (9,4 Prozent) aus. Für Thomas Schonschek, Vorsitzender des Bundesverbandes der Personalvermittler, ist Deutschlands neue Attraktivität vor allem auf die Schwäche bisheriger Zielländer zurückzuführen. Von einer „Willkommenskultur“ könne man noch nicht sprechen. Vor allem die Arbeitgeber sieht Schonschek gefordert, sich um die Integration zugewanderter Mitarbeiter zu kümmern. Einer Umfrage des Personaldienstleisters Manpower unter 10.000 Unternehmensvertretern in Europa zufolge sehen 16 Prozent Sprachprobleme als größte Hürde.

Google, Apple und Coca-Cola sind die beliebtesten Arbeitgeber bei den Betriebswirten
Google, Apple und Coca-Cola sind die beliebtesten Arbeitgeber bei den Betriebswirten Bild: F.A.Z.

Da haben es Technologiekonzerne in der Regel leichter, da intern zumeist englisch kommuniziert wird. Wenig überraschend, dass der Suchmaschinenbetreiber Google in der Trendence-Umfrage abermals zum attraktivsten Arbeitgeber Europas gewählt wurde. Gerade unter angehenden Ingenieuren konnten die Amerikaner an Beliebtheit zulegen. Google dicht auf den Fersen ist der iPhone-Hersteller Apple, der es unter den Technikern wie auch unter den Wirtschaftswissenschaftlern auf Platz zwei geschafft und den langjährigen Spitzenreiter Microsoft verdrängt hat. Sowohl Google als auch Apple stehen beim Nachwuchs für attraktive Produkte und Dienstleistungen, Unternehmenserfolg und Innovationskraft. „Anders als viele andere globale Unternehmen rufen Google und Apple zusätzlich wenig emotionale Vorbehalte bei den Bewerbern hervor“, sagt Trendence-Expertin Janzen. Zudem erwarten Absolventen bei beiden Arbeitgebern gute Möglichkeiten für ihre persönliche Entwicklung, einen positiven Führungsstil und eine kollegiale Arbeitsatmosphäre.

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Viele deutsche Industrieunternehmen haben ebenfalls den Sprung auf die Liste der Wunscharbeitgeber geschafft. Besonders die Autohersteller stehen hoch im Kurs, allen voran Volkswagen. Europas größter Autokonzern gewann unter Ingenieuren in Griechenland, Dänemark und Schweden deutlich hinzu. Auch BMW legte vor allem in Griechenland, Spanien und Tschechien sowie in Deutschland zu.

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Enorme Unterschiede bei den Einkommenvorstellungen

Nach wie vor enorm sind die Unterschiede bei den Einkommensvorstellungen. Während bulgarische Wirtschaftswissenschaftler mit weniger als 7000 Euro im Jahr rechnen, erwarten Schweizer Absolventen einen Bruttoverdienst von rund 70.000 Euro. Die Deutschen liegen mit knapp 43.300 Euro über dem Vorjahr.

Volkswagen als beliebtestes deutsches Unternehmen auf Platz Vier
Volkswagen als beliebtestes deutsches Unternehmen auf Platz Vier Bild: F.A.Z.
Gehaltserwartungen Betriebswirte
Land Gehalt 2012 in Euro Gehalt 2011 in Euro
Österreich 34.921   31.609  
Belgien 28.052   26.944  
Bulgarien 6.829   6.861  
Tschechische Republik 14.306   13.520  
Dänemark 55.381   50.396  
Finnland 34.830   30.373  
Frankreich 39.382   32.939  
Deutschland 43.296   43.100  
Griechenland 14.074   12.491  
Großbritannien 26.051  
Ungarn 9.234   9.573  
Irland 27.034  
Italien 23.265   19.837  
Niederlande 29.991   27.878  
Norwegen 58.100   50.015  
Polen 9.051   9.385  
Portugal 16.145   15.333  
Rumänien 8.680   8.810  
Russland 15.589   13.511  
Slowakei 12.855   11.632  
Spanien 22.298   18.221  
Schweden 40.793   37.947  
Schweiz 71.005   55.970  
Türkei 12.298   16.739  
Europa 21.524   19.961  

Auffallend ist, dass der Nachwuchs aus Südeuropa (Spanien: 22300; Italien: 23300; Portugal: 16100; Griechenland: 14000) durchweg mehr erwartet als 2011. Ein ähnliches Bild unter den Ingenieuren: Deutschland liegt mit 45500 Euro (Vorjahr: 44300) im oberen Mittelfeld. Auch hier sind die Erwartungen an das Einstiegsgehalt in der Schweiz (67600) am höchsten, gefolgt von Norwegen (58400) und Dänemark (56000). Nur in zwei von 24 Ländern sanken die Ansprüche.

Quelle: F.A.Z.
Sven Astheimer - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
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Verantwortlicher Redakteur für die Unternehmensberichterstattung.
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