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Astronauten und Raumfahrt

Der exklusivste Klub der Welt

Von Horst Rademacher, San Francisco
Aktualisiert am 20.07.2019
 - 17:05
Zwölf Menschen waren bisher auf dem Mond, ausschließlich Männer weißer Hautfarbe. Das wird nicht so bleiben, denn auch die Vereinigten Staaten haben sich in den vergangenen 50 Jahren verändert.

Es ist zweifellos die exklusivste Gemeinschaft der Welt. Nur zwölf Menschen haben je diesem Klub angehört, acht von ihnen sind mittlerweile verstorben. Als die Gruppe noch vollständig war, hätten ihre Mitglieder kaum homogener sein können. Alle waren Amerikaner weißer Hautfarbe, alle waren männlich, und bis auf einen handelte es sich um ranghohe Offiziere der amerikanischen Luftwaffe oder der Marineflieger, unter ihnen ein Brigadegeneral. Die Rede ist von jenem Dutzend Männer, die im Rahmen des Apollo-Programms zwischen 1969 und 1972 als erste Menschen einen fremden Himmelskörper betraten. Neil Armstrong machte mit Apollo 11 den Anfang, Eugene Cernan verließ Ende 1972 als bis heute letzter irdischer Besucher an Bord von Apollo 17 den Mond.

Die männliche Dominanz und die ethnische Zusammensetzung dieses exklusiven Klubs waren damals typisch für die amerikanische Weltraumbehörde (Nasa). Ein Blick auf die zeitgenössischen Fotos aus dem Apollo-Kontrollzentrum Houston bestätigt das Bild: Vor den Konsolen sitzen ausschließlich weiße Männer. Frauen, Amerikaner afrikanischer oder asiatischer Abstammung und Latinos sind nirgendwo zu sehen. Die Mondfahrt war ein Projekt der weißen Mehrheit in Amerika. Daran können auch die Erinnerungen an jene schwarzen Mathematikerinnen nichts ändern, die damals als „menschliche Computer“ im Hintergrund komplizierteste Umlaufbahnen und orbitale Rendezvousmanöver berechneten und damit die Reise zum Mond und die sichere Rückkehr der Astronauten überhaupt erst möglich machten. Ihre Geschichte wurde kürzlich im Film „Hidden Figures“ erzählt.

Mit grenzenlosem Vertrauen in die Ingenieurskunst

Der eigentliche Beginn des Apollo-Programms war der Aufruf Präsident John F. Kennedys vor dem amerikanischen Kongress 1961, innerhalb von weniger als zehn Jahren „einen Menschen auf dem Mond zu landen und sicher zur Erde zurückzubringen“. Trotz anfänglicher Skepsis und einem Kostenvoranschlag von 22 Milliarden Dollar – mehr als einem Fünftel des Staatshaushalts in Washington im Jahr 1961 – begann das Mondprogramm die ganze Nation zu faszinieren.

Seit dem für die Vereinigten Staaten triumphalen Ende des Zweiten Weltkriegs waren weniger als 20 Jahre vergangen, das Land befand sich in wirtschaftlicher Aufbruchstimmung, und die Menschen waren durchweg optimistisch. Man fürchtete sich nicht vor riesigen, vom Staat gesteuerten Projekten mit ungewissem Ausgang. So hatte man während des Kriegs in zwei unabhängigen Geheimprojekten in jeweils nur vier Jahren die Atombombe und das Radar entwickelt und damit den Kriegsausgang entscheidend beeinflusst.

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Armstrongs großer Schritt
Zum 50. Jahrestag der Mondlandung

Mit dem wirtschaftlichen und sozialen Optimismus ging ein nahezu grenzenloses Vertrauen in die Ingenieurkunst einher. Technische Lösungen, so dachte man, werden uns eine bessere Zukunft bescheren und das Leben leichter und einfacher machen. Dieser Glaube an die technische Vorherrschaft Amerikas hatte durch die Erfolge der damaligen Sowjetunion in der Raumfahrt einen Dämpfer bekommen. Nach Sputnik und Juri Gagarin, dem ersten Menschen im Orbit, hatte der Angstgegner Moskau bei der „Eroberung des Weltraums“ klar die Nase vorn. Darauf beruhte der politische Wille Kennedys – und nach seiner Ermordung der seines Nachfolgers Lyndon B. Johnson –, das Apollo-Projekt durchzuziehen. Das allgemeine Vertrauen der Gesellschaft in die Technik half der Nasa bei der Bewältigung dieser nahezu unmöglich scheinenden Aufgabe.

Amerika als multikultureller Staat – ohne große, weiße Mehrheit

Zudem war die noch extrem junge Raumfahrttechnik damals der Inbegriff von Hightech. Computer gab es nicht, die Entwicklung von Mikroprozessoren steckte noch in den Kinderschuhen, und von Software oder Programmiersprachen redeten nur esoterische Kybernetiker. Das Wort Biotechnologie war nicht einmal erfunden. Für Jugendliche, die sich für Wissenschaft und Technik interessierten, waren die Raumfahrt, die Entwicklung von Raketen und Raumkapseln das Nonplusultra.

Fünfzig Jahre nach der ersten Mondlandung ist Amerika ein völlig anderes Land. Obwohl es Donald Trump und seine Gefolgsleute nicht wahrhaben wollen, sind die Vereinigten Staaten immer bunter geworden, ein multikultureller Staat, in dem die Weißen, wenn überhaupt, nur noch eine knappe Mehrheit bilden. Mit den ethnischen Veränderungen gingen soziale Entwicklungen einher. So weitet sich die Schere zwischen Arm und Reich immer mehr. Während damals Optimismus und die Gewissheit herrschten, besser zu leben als die vorherige Generation, sind heute Misstrauen, Unsicherheit und Existenzangst weit verbreitet.

Die beiden Präsidenten Bush mussten feststellen, dass ihre Aufrufe, wieder Menschen zum Mond und später weiter zum Mars zu schicken, keine Anziehungskraft mehr ausübten. Weder die Nation noch der Kongress waren von diesen hochfliegenden Plänen so fasziniert wie die Amerikaner von Kennedys Traum. Es ist damit zu rechnen, dass Präsident Trump mit seinem noch anspruchsvolleren Plan, in weniger als fünf Jahren wieder Amerikaner auf den Mond zu schicken, ebenfalls eine Bruchlandung erleben wird. Der tief gespaltene Kongress wird seine Zustimmung verweigern. Hinzu kommt, dass viele Amerikaner Wissenschaft und Technik recht skeptisch gegenüberstehen. Die Technik, so heißt es heute in weiten Kreisen Amerikas, sorge nicht für ein besseres Leben, sondern verseuche die Umwelt und bringe den Planeten in Gefahr.

Space X und Co. trauen sich noch nicht, Menschen ins All zu schicken

Für die schwindende Zahl von Jugendlichen und Studenten, die sich für naturwissenschaftlich-technische Fächer interessieren, ist die Raumfahrt heute ebenso wenig attraktiv wie beispielsweise die Kerntechnik. Die Mitarbeit an selbstfahrenden Elektroautos, das Programmieren aufwendiger Computerspiele, das Design neuer Microchips oder die Entwicklung neuer Techniken zur sanften Energiegewinnung stehen ebenso hoch auf der Attraktivitätsliste wie die Biotechnologie oder die Medizintechnik.

Schließlich hat die Nasa längst kein Monopol mehr in der amerikanischen Raumfahrt. Private Unternehmen, allen voran Elon Musks Space-X, betreiben wirtschaftlich lukrative Raumfahrtprogramme, obwohl sie den ultimativen Test noch nicht bestanden haben. Zwar wollen Musk und Amazon-Chef Jeff Bezos unabhängig voneinander Menschen ins All, zum Mond und zum Mars befördern, doch bisher hat keines dieser Unternehmen den technisch äußerst anspruchsvollen Schritt von der unbemannten Raumfahrt zu wesentlich aufwendigeren bemannten Missionen gewagt. Mit ihren zusätzlichen Sicherheitsanforderungen und den notwendigen Lebenserhaltungssystemen sind solche Projekte viel komplexer, als unbemannte Raketen in den Orbit zu schicken.

Eines ist aber sicher: Wann auch immer der nächste menschliche Besuch auf dem Erdtrabanten stattfindet, der exklusivste Klub auf der Welt wird bunter werden. Zu den zwölf Männern werden sich Frauen gesellen, die ihre Fußstapfen im Mondstaub, dem Regolith, hinterlassen werden. Personen nichtweißer Herkunft ohne eine Offiziersausbildung werden zu den Mondfahrern gehören, und die amerikanische Staatsbürgerschaft ist für eine künftige Reise zum Mond auch keine notwendige Voraussetzung mehr. Als Mondfahrer Eugene Cernan kurz vor Weihnachten 1972 als bisher letzter Mensch vom Mond Abschied nahm, hoffte er, dass andere bald zurückkehren würden. Aber auch fast fünf Jahrzehnte später steht der Zeitpunkt der nächsten Mondfahrt buchstäblich in den Sternen.

Quelle: F.A.Z.
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