FAZ plus ArtikelAbgehängter englischer Norden

Johnsons blühende Landschaften

Von Jochen Buchsteiner, Rochdale
05.12.2021
, 16:50
Straße in Leicester: Die besseren Tage sind schon lange her.
Mit seinem „Levelling up“-Programm will der englische Premierminister Boris Johnson die Angleichung der Lebensverhältnisse für die Menschen im Norden Englands erreichen. Kann das klappen?
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Wer über die „Esplanade“ ins Zentrum fährt, vorbei an der prächtigen neogotischen Townhall von 1871, könnte glauben, dass es Rochdale gar nicht so schlecht geht. Eine akkurat angelegte Fußgängerzone führt an einer schmucken Straßenbahnhaltestelle vorbei und endet vor einem Einkaufszentrum und dem gläsernen Stadthaus, das vor acht Jahren für fast 60 Millionen Euro errichtet wurde. Um die Illusion aufrechtzuerhalten, sollte der Besucher allerdings zweierlei vermeiden: einen Blick hinter die Fassaden zu werfen oder gar im nationalen „Deprivation Index“ zu blättern. In dieser offiziellen Statistik, welche die Gemeinden Großbritanniens nach dem Kriterium der sozialen Benachteiligung vermisst, rangiert die 100.000-Einwohner-Stadt im Norden des Großraums Manchester seit vielen Jahren auf den hintersten Plätzen.

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Im Stadthaus wird erst gar nicht versucht, die Lage schönzureden. Man zeigt sich zwar stolz auf die „Leuchtturmprojekte“ im Stadtzentrum, weiß aber, dass der Weg aus der Misere noch weit ist. John Blundell, der seit vielen Jahren im Labour-geführten Stadtrat sitzt, sagt es so: „Wenn wir von Levelling up reden, reden wir nicht von zwei Jahren, sondern von zwei Jahrzehnten – wenn nicht mehr.“

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Quelle: F.A.S.
Jochen Buchsteiner - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Jochen Buchsteiner
Politischer Korrespondent in London.
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