Afghanistan

Mehrere Zivilisten sterben durch Luftangriff auf Krankenhaus

03.10.2015
, 12:10
Beim Kampf um die Stadt Kundus ist es offenbar zu einem tragischen Versehen gekommen: Ein Luftangriff traf ein Krankenhaus von Ärzte ohne Grenzen. Die Nato räumt ein, möglicherweise für den Vorfall verantwortlich zu sein.

Bei einem Angriff auf ein Krankenhaus der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen sind im nordafghanischen Kundus mindestens neun Klinikmitarbeiter getötet worden. Weitere 37 Menschen wurden verletzt, teilte die Organisation am Samstag mit. Außerdem sei die Klinik durch den Luftangriff schwer beschädigt worden.

Weiter teilte die Organisation mit, dass allen Konfliktparteien vorsorglich mehrfach die genauen Geodaten ihrer Einrichtungen übermittelt worden seien, zuletzt am 29. September. Nach Beginn des Angriffs habe man zudem das amerikanische und afghanische Militär erneut kontaktiert; dennoch habe das Bombardement noch mehr als 30 Minuten angehalten. Mehrere Treffer hätten das Gebäude schwer beschädigt.

Die Nato erklärte, möglicherweise sei die Klinik bei einem Luftangriff der Militärallianz getroffen worden. In einer Erklärung war von einem möglichen „Kollateralschaden“ durch den Angriff der amerikanischen Luftwaffe die Rede. Es seien Ermittlungen eingeleitet worden.

Viele Vermisste gemeldet

Laut Ärzte ohne Grenzen wurde das medizinische Zentrum zur Traumabewältigung mitten in der Nacht getroffen. Seitdem würden mehr als 30 Menschen vermisst. Die Nato nannte für ihren Angriff nahezu denselben Zeitpunkt.

Die Kämpfe in Kundus hielten auch nach der Rückeroberung der Provinzhauptstadt durch die afghanischen Truppen am Donnerstag an. Die Gegenoffensive war von den Vereinigten Staaten unter anderem mit Luftangriffen unterstützt worden. Zuvor waren die radikal-islamischen Taliban in Kundus einmarschiert. Sie kämpfen gegen die Regierung in Kabul, seit sie vor fast 14 Jahren durch einen Militäreinsatz unter Führung der Vereinigten Staaten entmachtet wurden.

Afghanistan
Mehrere Tote bei Angriff auf Krankenhaus
© AFP, reuters
Quelle: peer./AFP/Reuters
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