Amerika

Frühere First-Lady Nancy Reagan ist tot

Von Andreas Ross, Washington
06.03.2016
, 18:25
Nancy Reagan
Vom Broadway über Hollywood bis ins Weiße Haus: Nancy Reagan hatte einen Hang zum Luxus, vertraute auf den Rat eines Astrologen - und bewies bisweilen ein besseres politisches Gespür als ihr Mann.
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Nancy Reagan zeigte gern, wie sehr sie ihren Mann Ronald bewunderte. „Er hatte alles, was ich in einem Mann suchte – und mehr“, schrieb sie in ihren Memoiren. Doch schon vor ihrer Zeit als Präsidentengattin zwischen 1981 und 1989 war ihr politischer Einfluss immens. Sie beriet ihren Mann, der gegen ihren Wunsch die Schauspielerei aufgegeben hatte und in die Politik gegangen war, vor allem in Personalentscheidungen.

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Das begann im Gouverneurswahlkampf von Kalifornien und wurde in Reagans zweiter Amtszeit als Präsident offenkundig. Damals beschäftigte die Iran-Contra-Affäre das Land. Reagan hatte Waffenverkäufe an Iran gebilligt und das Geld zum Teil genutzt, um die nicaraguanischen „Contras“ im Kampf gegen die Sandinisten zu unterstützen. Nancy Reagan begriff viel früher als ihr Mann, dass das Land eine Entschuldigung verlangte. Sie brachte ihn dazu.

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© Reuters, reuters

„Queen Nancy“

Reagan wurde 1921 als Nancy Davis in New York geboren. Ihre Mutter war Bühnenschauspielerin, ihr Vater verließ die Familie früh. Doch die zweite Ehe von Nancys Mutter erlaubte ihr eine behütete Kindheit in Wohlstand. Später wurde Nancy Davis wie ihre Mutter Schauspielerin. Nach ihrer Hochzeit mit Ronald Reagan 1952 versicherte sie, nicht mehr arbeiten zu wollen. Doch ihr Mann bekam keine Angebote mehr, sodass sie doch noch einzelne Rollen übernahm.

Ein Bild aus dem Jahr 1986: Nancy, Ronald - und Rex.
Ein Bild aus dem Jahr 1986: Nancy, Ronald - und Rex. Bild: AP

Kurz nachdem Ronald Reagan 1980 im zweiten Anlauf zum Präsidenten gewählt wurde, brachte ein Attentat auf ihren Mann die Welt von Nancy Reagan ins Wanken. Sie suchte danach die Nähe eines Astrologen, dessen Rat sie fortan regelmäßig einholen sollte. In Washington führte das zu heftigem Kopfschütteln. Auch mit ihrem Hang zum Luxus geriet sie in die Schlagzeilen. So setzte sie eine spendenfinanzierte Renovierung des Weißen Hauses durch, kaufte Porzellan für 200.000 Dollar und trug elegante Kleider teurer Marken.

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Auch um den Beinamen „Queen Nancy“ loszuwerden, engagierte sie sich gegen den Rauschgiftkonsum. Doch lieber wirkte sie im Hintergrund. Nachdem ihr Mann 1994 erfuhr, dass er an Alzheimer litt, machte Nancy Reagan seine Pflege zu ihrer wichtigsten Mission, bis er 2004 starb. An seiner Seite soll Nancy Reagan, die am Sonntag einem Herzversagen erlag, nun im kalifornischen Simi Valley beigesetzt werden.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Ross, Andreas
Andreas Ross
Verantwortlicher Redakteur für Nachrichten und Politik Online.
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