Merkel in London

Zeit, den Brexit-Blues zu überwinden

EIN KOMMENTAR Von Klaus-Dieter Frankenberger
02.07.2021
, 18:44
Ein letztes Goodbye: Boris Johnson und Angela Merkel in Chequers, dem Landsitz des britischen Premierministers.
Das deutsch-britische Verhältnis muss sich wieder verbessern. Partner sind beide Länder schließlich auch noch nach dem Brexit.
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Man darf annehmen, der mutmaßlich letzte Besuch von Angela Merkel als Bundeskanzlerin in London triefte nicht vor Sentimentalität. Vielleicht schimmerte die erfolgreiche Arbeit am englischen Niederlagenkomplex in den Fußballbeziehungen beider Länder in den Gesprächen des Premierministers Johnson mit dem deutschen Gast durch. Möglich wäre es.

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In jedem Fall ist es Zeit, den Brexit-Blues im deutsch-britischen Verhältnis zu überwinden. Dieses Verhältnis, sagte neulich ein Sachkundiger, habe mittlerweile die Qualität unseres Verhältnisses zu Malaysia. Das war vielleicht etwas übertrieben. Aber wunderbar und unkompliziert ist es leider auch nicht.

Ja, der Brexit war ein einschneidendes Ereignis, das viele Deutsche, nicht zuletzt anglophile, ungläubig als Abkehr vom britischen Pragmatismus wahrnahmen. Die Folgen sind erheblich: Der bilaterale Handel, zum Beispiel, ist stark zurückgegangen; im britisch-europäischen Verhältnis ist reichlich viel Gift; neue Formen der Zusammenarbeit müssen sich bilden und bewähren. Dabei haben beide Länder viele gleichgerichtete Interessen, von der Geo- bis zur Klimapolitik.

Es ist somit nur zu begrüßen, dass die Regierung in London und die (nächste) in Berlin das Gemeinsame und Verbindende wieder in den Vordergrund stellen wollen. Auch nach der Scheidung gibt es viele gute Gründe für eine enge Partnerschaft. Dass englische Fußball-Fans im Rausch des (großen?) Sieges antideutscher Kleingeisterei frönten – geschenkt.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Frankenberger, Klaus-Dieter
Klaus-Dieter Frankenberger
Redakteur in der Politik.
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