IS bezichtigt sich

Anschlag auf früheren Präsidenten der Malediven

Von Till Fähnders, Singapur
07.05.2021
, 11:56
Parlamentssprecher Mohamed Nasheed wurde nach der Explosion einer Bombe in der Nähe seines Hauses verletzt und in ein Krankenhaus gebracht. Indien zeigt sich besorgt.

Der frühere Präsident und heutige Parlamentssprecher der Malediven, Mohamed Nasheed, ist am Donnerstagabend bei der Explosion einer Bombe in der Hauptstadt Malé in der Nähe seines Hauses verletzt und ins Krankenhaus gebracht worden. Presseberichten zufolge soll sich der „Islamische Staat“ (IS) des Anschlag bezichtigt haben. Die Regierung hat dies bisher nicht bestätigt. Präsident Ibrahim Solih sprach am Freitag von einer „Attacke auf die Demokratie und Wirtschaft der Malediven“. Außenminister Abdulla Shahid verurteilte ebenfalls die „feige Attacke“. Der indische Außenminister Subrahmanyam Jaishankar schrieb in einem Tweet, er sei tief besorgt über den Angriff. „Ich wünsche ihm eine schnelle Genesung. Ich weiß, dass er sich nie einschüchtern lassen wird“, schrieb der Top-Diplomat des Nachbarlandes.

Wie die Nachrichtenagentur AFP berichtete, war die Bombe an einem geparkten Motorrad befestigt. Ein terroristischer Hintergrund erscheint durchaus möglich. Aus dem mehrheitlich muslimischen Land hatten sich in Relation zur Bevölkerung von nur rund 400.000 Einwohnern in den vergangenen Jahren besonders viele Menschen dem IS angeschlossen. Doch auch die innenpolitische Auseinandersetzung in dem bei Touristen beliebten Inselparadies wird teilweise mit besonders harten Bandagen geführt. Bei einer Explosion auf einem Motorboot war der damalige Präsident Abdulla Yameen unverletzt davongekommen. Etwas später hatte ein Gericht seinen damaligen Stellvertreter Ahmed Adeeb wegen der Beteiligung an einem Mordkomplott gegen den Präsidenten zu einer Haftstrafe verurteilt.

Yameen, dem Korruption und ein autoritärer Führungsstil nachgesagt wurde, war bei der Präsidentenwahl 2018 Nasheeds Partei und ihrem Spitzenkandidaten Solih unterlegen. Nasheed gehört zu den bekanntesten Politikern seines Landes und ist als Parlamentssprecher die Nummer zwei im Regierungssystem. Nach Jahrzehnten autokratischer Herrschaft war er im Jahr 2008 zum ersten demokratisch legitimierten Präsidenten des Inselstaats im Indischen Ozean gewählt worden. International war er aufgrund seines Engagements für den Klimaschutz bekannt geworden. Unter anderem hatte er medienwirksam eine Kabinettsitzung in kompletter Tauchausrüstung unter Wasser abgehalten. Im Jahr 2012 wurde Nasheed bei einem Putsch entmachtet und unter Anwendung eines Anti-Terror-Gesetzes zu 13 Jahren Haft verurteilt. Nach einer medizinischen Behandlung war er zunächst in Großbritannien im Exil geblieben, nach dem Wahlsieg seiner Partei aber in seine Heimat zurückgekehrt.

Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Fähnders, Till (fäh.) (Bild)
Till Fähnders
Politischer Korrespondent für Südostasien.
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