Kim Jong-un

Nordkoreas Raketenstart brüskiert die Welt

07.02.2016
, 12:13
Große Heiterkeit beim Großen Führer, noch herzlichere bei seinen Mitarbeitern: Nordkoreas Diktator Kim Jong-un nach dem Start der Rakete in Pjöngjang
Nach dem wiederholten Start einer Weltraumrakete durch Nordkorea zeigt sich die Weltgemeinschaft entschlossen zu einer entschlossenen Reaktion. Der südkoreanische Geheimdienst befürchtet, Pjönjang könnte bald einen weiteren Atomtest starten.

Nur einen Monat nach seinem kritisierten Atomtest hat Nordkorea mit dem Start einer Weltraumrakete abermals die Weltgemeinschaft herausgefordert. Die Trägerrakete habe den „neu entwickelten Erdbeobachtungssatelliten Kwangmyongsong-4 (leuchtender Stern) erfolgreich auf seine Erdumlaufbahn gebracht“, verkündete am Sonntag die nordkoreanische Raumfahrtbehörde. Die Weltgemeinschaft sieht dies als verdeckten Test einer ballistischen Langstreckenrakete, die Atomwaffen tragen könnte.

Die Trägerrakete habe um 9 Uhr („Pjöngjang-Zeit“; 1.30 Uhr mitteleuropäische Zeit) von Sohae an der Westküste abgehoben, wurde die nordkoreanische Raumfahrtbehörde von den Staatsmedien zitiert. Der Satellit habe nach 9:46 Minuten den Orbit erreicht. Nach Angaben des südkoreanischen Militärs erreichte vermutlich ein Objekt den Orbit, doch seien weitere Analysen des Flugs nötig. Die Rakete habe vermutlich eine Reichweite von bis zu 13.000 Kilometern gehabt und könnte somit theoretisch das amerikanische Festland erreichen, zitierte die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap einen Militärvertreter. Nordkoreas Raumfahrtbehörde verteidigte den Start als Ausübung des „legitimen Rechts auf die Weltraumforschung zu unabhängigen und friedlichen Zwecken“.

Der Große Führer, writing things: Kim Jong-un
Der Große Führer, writing things: Kim Jong-un Bild: Reuters

Sie wertete den Start jedoch auch als „epochales Ereignis“ für die Entwicklung der Verteidigung des Landes. Das Land werde in Zukunft noch mehr Satelliten ins All schießen. Laut der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonap teilte der Geheimdienst in Seoul seine Einschätzung mit, die Rakete müsse als „ballistische Rakete“ eingestuft werden. Der ausgesetzte Satellit sei praktisch nutzlos. Der Flugkörper wiege vermutlich nur 200 Kilogramm, während einsetzbare Satelliten mindestens 800 Kilogramm wögen, hieß es.

Massive internationale Kritik

Viele Staaten von den Vereinigten Staaten und Frankreich bis Südkorea und Japan warfen dem diktatorischen Regime schwere Provokation vor. Eine Sondersitzung des UN-Sicherheitsrats wurde angesetzt. Südkorea kündigte noch am Sonntag den Beginn offizieller Gespräche mit den verbündeten Vereinigten Staaten über die umstrittene Lieferung amerikanischer Abfangraketen an. Dies dürfte vor allem in China und Russland Beunruhigung auslösen, die strikt gegen die Aufstellung solcher amerikanischer Raketen in ihrer Nachbarschaft sind. Außerdem will Südkorea seine gegen den nordkoreanischen Machthaber Kim Jong-un gerichtete Propaganda-Beschallung an der Grenze ausweiten.

Nordkoreas Machthaber beim Start der Rakete
Nordkoreas Machthaber beim Start der Rakete Bild: Reuters/Kyodo

China äußerte verhalten sein „Bedauern“ über den Raketenstart. Das berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua. Peking hatte Pjöngjang mehrfach vergeblich zur Zurückhaltung aufgefordert, um die Spannungen in der Region nicht weiter eskalieren zu lassen. Erst vor einem Monat hatte der vierte nordkoreanischer Atomtest weltweit Empörung ausgelöst. Die amerikanische Regierung kritisierte den Raketenstart als „destabilisierend, provokativ und flagrante Verletzung“ zahlreicher UN-Resolutionen. Zugleich setzten sich die Vereinigten Staaten für „ernste Konsequenzen“ ein, erklärte Sicherheitsberaterin Susan Rice in Washington. Außenminister John Kerry erklärte, die Vereinigten Staaten würden mit ihren Partnern und im UN-Sicherheitsrat an „bedeutenden“ Maßnahmen arbeiten, um Nordkorea zur Rechenschaft zu ziehen. Auch Frankreich forderte „eine schnelle und harte Reaktion der internationalen Gemeinschaft.“ Russland verurteilte den Start als Verstoß gegen UN-Resolutionen. Japan sprach von einer Bedrohung des Weltfriedens.

Mogherini: „Unmittelbare Bedrohung für den internationalen Frieden“

Auch bei der EU löste der Raketenstart scharfen Protest aus. Es handle sich um eine weitere schwere Verletzung der internationalen Verpflichtungen des Landes, erklärte die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini am Sonntag. Zusammen mit dem „extrem schwerwiegenden und illegalen Atomtest“ vom 6. Januar stelle dies eine „unmittelbare Bedrohung für den internationalen Frieden und die Sicherheit in der Region und darüber hinaus“ dar. Das kommunistische Land müsse seine Programme zur Entwicklung von Raketengeschossen, nuklearen Fähigkeiten und Massenvernichtungswaffen beenden, so Mogherini.

Pjöngjang
Nordkorea feuert Langstreckenrakete ab
© afp, afp

Südkoreas Präsidentin Park Geun Hye verlangte – wie schon nach dem Atomtest des Nachbarns – harte Sanktionen gegen Pjöngjang. Zudem kündigte Seoul an, den Zugang seiner Landsleute zum gemeinsam mit Nordkorea betriebenen Industriepark im grenznahen Kaesong auf nordkoreanischer Seite weiter zu beschränken. Nordkorea hatte den Raketenstart vorverlegt, ursprünglich war ein Startfenster zwischen dem 8. und 25. Februar vorgesehen gewesen. Das Land hatte zuletzt Ende 2012 eine Weltraumrakete gestartet. Der Start wurde damals weltweit verurteilt. Nach dem vierten Atomtest Nordkoreas am 6. Januar dieses Jahres nahm der UN-Sicherheitsrat Diskussionen über schärfere Sanktionen gegen Pjöngjang auf.

Vorbereitungen auf weiteren Atomtest?

Unterdessen bereitet Nordkorea nach Angaben des südkoreanischen Geheimdienstes möglicherweise den nächsten Test einer weiteren Atombombe vor. Es gebe Hinweise für solche Vorbereitungen auf den fünften Atomtest des Landes, zitierte die südkoreanische Nachrichtenagentur am Sonntag Abgeordnete in Seoul, die zuvor vom Geheimdienst darüber informiert worden seien.

Quelle: mben./peer./AFP/dpa
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