Berichte über Blutgerinnsel

Dänemark, Norwegen und Island setzen Astra-Zeneca-Impfungen aus

11.03.2021
, 19:41
Nach Berichten über schwere Fälle von Blutgerinnseln stoppen Dänemark, Norwegen und Island die Verabreichung des Astra-Zeneca-Impfstoffs. Es handele sich um eine Vorsichtsmaßnahme. Frankreich, Schweden und Deutschland warten ab.

Nach Berichten über vereinzelte ernsthafte Erkrankungen nach Impfungen setzt Dänemark den Gebrauch des Corona-Impfstoffes von Astra-Zeneca vorsorglich aus. Deutschlands nördliches Nachbarland kündigte am Donnerstag an, für vorläufig 14 Tage auf den Einsatz des Präparats des britisch-schwedischen Unternehmens zu verzichten. Grund seien Berichte über schwere Fälle von Blutgerinnseln bei Menschen, die mit dem Mittel gegen Covid-19 geimpft worden seien, teilte die dänische Gesundheitsverwaltung mit. Diese sollten nun näher untersucht werden. Die Behörde sprach ebenso wie Gesundheitsminister Magnus Heunicke von einer Vorsichtsmaßnahme.

Unter den gemeldeten Fällen beziehe sich einer auf einen Todesfall in Dänemark, hieß es. Man könne zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nicht feststellen, ob ein Zusammenhang zwischen Impfstoff und Blutgerinnseln bestehe. Man lehne das Astra-Zeneca-Vakzin nicht ab, sondern setze die Verabreichung aus. Es sei gut dokumentiert, dass das Mittel sowohl sicher als auch effektiv sei. Man müsse aber auf Berichte zu möglichen ernsten Nebenwirkungen reagieren. Die allermeisten Nebenwirkungen seien milde, etwa Fieber oder Kopfschmerz, schrieb die dänische Arzneimittelbehörde.

Nach der Bekanntgabe in Kopenhagen entschlossen sich auch die Nicht-EU-Länder Norwegen und Island, den Gebrauch des Präparats von Astra-Zeneca vorübergehend zu stoppen. Schweden hält hingegen weiterhin an dem Vakzin fest. Frankreichs Gesundheitsminister Oliver Véran erklärte am Donnerstagabend, Europa, Frankreich und Deutschland seien zurzeit der Ansicht, dass es kein übermäßiges Risiko gebe. „Wir überwachen, wir beobachten“, fügte er hinzu.

Reaktion der EMA

Die Europäische Zulassungsbehörde EMA erklärte am Donnerstag unter Berufung auf ihren Sicherheitsausschuss, „dass der Nutzen des Impfstoffs weiterhin die Risiken überwiegt und der Impfstoff weiterhin verabreicht werden kann, während die Untersuchung von Fällen thromboembolischer Ereignisse fortgesetzt wird.“ Am Donnerstagabend schloss sich auch das Paul-Ehrlich-Institut in Langen der EMA-Erklärung an.

Bislang haben rund 122.000 Menschen in Norwegen den Astra-Zeneca-Stoff erhalten. Sie werden vom norwegischen Gesundheitsinstitut FHI gebeten, sich nicht unnötig Sorgen zu machen. Wenn sich ein Zusammenhang zwischen Impfstoff und Blutgerinnsel herausstelle, würde dies eine äußerst seltene Nebenwirkung darstellen, hieß es in einer Behördenmitteilung.

Astra-Zeneca gab sich auf Anfrage zunächst zurückhaltend. Man sei sich der dänischen Entscheidung bewusst, sagte ein Konzernsprecher. „Die Sicherheit des Impfstoffs ist in klinischen Phase-III-Studien ausführlich untersucht worden und die von Experten begutachteten Daten bestätigen, dass der Impfstoff generell gut verträglich ist.“

Bundesregierung wartet ab

Die Bundesregierung verwies auf laufende Untersuchungen auf EU-Ebene. Nach jetzigem Stand gebe es noch keine Hinweise darauf, dass der dänische Todesfall mit einer Corona-Impfung ursächlich in Verbindung stehe, sagte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums in Berlin.

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach kritisierte den dänischen Schritt. „Der Impfstoff hätte aus meiner Sicht auf Grundlage eines Falles in Dänemark nicht gestoppt werden sollen“, schrieb er auf Twitter. Die Schädigung des Vertrauens sei immens. Thrombosen seien eine häufige Folge von Covid-19. Davor schütze der Impfstoff von Astra-Zeneca. Er bleibe dabei, dass der Impfstoff sicher sei. „Ich würde ihn jederzeit nehmen.“

Ein weiterer deutscher Experte hält einen Zusammenhang zwischen der Impfung und dem Todesfall für unwahrscheinlich. „Ein direkter Zusammenhang ist nicht richtig vorstellbar, das kann auch Zufall sein“, sagte Bernd Salzberger vom Universitätsklinikum Regensburg. „Gefäßverschlüsse sind weder in den Zulassungsstudien aufgetaucht noch bei den Impfungen in England, und dort ist man sehr wachsam.“

Wegen eines Todesfalls und drei Erkrankten hatte zuvor Österreich vorsorglich die Verwendung einer Charge des Corona-Impfstoffs von Astra-Zeneca ausgesetzt. Insgesamt sei die Charge ABV5300 an 17 EU-Länder geliefert worden, jedoch nicht nach Deutschland, hatte die EU-Zulassungsbehörde EMA bereits am Mittwochabend mitgeteilt. Sie umfasse eine Million Dosen. „Es gibt derzeit keinen Hinweis, dass die Impfung diese Zustände hervorgerufen hat, die nicht als Nebenwirkungen dieses Vakzins aufgelistet sind“, betonte die EMA, die einen möglichen Zusammenhang untersucht.

Todesfälle in Österreich

In Österreich hatte ein geimpfter Mensch eine Thrombose bekommen und war zehn Tage nach der Impfung gestorben. Bis zum 9. März bekamen zwei weitere Geimpfte ebenfalls eine Thrombose und zudem einer eine Lungenembolie. Alle hatten Impfstoff aus derselben Charge von Astra-Zeneca erhalten.

Bis 9. März seien insgesamt 22 Fälle von Thromboembolie, bei denen ein Blutgerinnsel ein Gefäß ganz oder teils verstopft, unter den drei Millionen mit dem Präparat von Astra-Zeneca geimpften Personen im Europäischen Wirtschaftsraum gemeldet worden, teilte die EMA mit. Nach den bisherigen Informationen sei die Zahl der Fälle von Patienten mit Blutgerinnseln nicht höher als allgemein in der Bevölkerung, sagte eine EMA-Sprecherin in Amsterdam. Die Experten würden aber weiterhin Berichte prüfen. Auch am Donnerstag sah die EU-Behörde keine Verbindung zwischen den Thrombose-Fällen und dem Präparat.

Die Charge ABV5300 war laut EMA-Mitteilung unter anderem nach Dänemark, Frankreich, die Niederlande, Polen, Spanien und Schweden geliefert worden. Vier belieferte Länder – Estland, Litauen, Luxemburg und Lettland – setzten vorsorglich Impfungen mit der Charge ebenfalls aus.

Ob der dänische Todesfall ebenfalls mit der Charge zu tun hat, wurde am Donnerstag von offizieller Seite nicht bestätigt. Die Zeitung „B.T“ berichtete jedoch, dass es sich um eine 60-jährige Frau handele, die mit einem Blutgerinnsel gestorben sei. Ihre Impfung habe von derselben Charge gestammt wie diejenige, die die ums Leben gekommene Person in Österreich erhalten habe.

Im EU-Land Dänemark mit seinen gut 5,8 Millionen Einwohnern haben bislang rund 560.000 Menschen ihre erste Corona-Impfdosis erhalten, knapp 220.000 auch ihre zweite. Bisher haben etwa 142.000 Menschen den Astra-Zeneca-Stoff bekommen. Bei mehr als 70 Prozent der bislang verabreichten Impfungen kam das Vakzin von Pfizer/Biontech zum Einsatz, in vier Prozent das von Moderna. Die Impfkampagne ist in Dänemark zügiger als in Deutschland und den meisten anderen Ländern Europas angelaufen.

Quelle: dpa
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