„Auf Opfer verlagert“

Selenskyj kritisiert Amnesty-Bericht scharf

Von Robert Putzbach
05.08.2022
, 20:13
Wolodymyr Selenskyj während einer Videoansprache im Juli in Kiew
Amnesty International hat der Ukraine vorgeworfen, durch Truppen in Wohngebieten Zivilisten zu gefährden. Für den ukrainischen Präsidenten Selenskyj werden damit Opfer und Angreifer auf eine Stufe gestellt.
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Nachdem Amnesty International der Ukraine in einem Bericht vorgeworfen hatte, durch die Stationierung von Truppen in Wohngebieten Zivilisten zu gefährden, hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj die Anschuldigungen scharf zurückgewiesen. Ihm zufolge versuchen die Menschenrechtsschützer, „die Verantwortung vom Angreifer auf das Opfer zu verlagern“, sagte Selenskyj in einer Videoansprache am Donnerstagabend. Russlands Krieg sei „ungerechtfertigt, invasiv und terroristisch“, sagte Selenskyj. „Wenn jemand einen Bericht anfertigt, in dem Opfer und Angreifer gewissermaßen auf eine Stufe gestellt werden, wenn gewisse Dinge über das Opfer analysiert und die Taten des Angreifers ignoriert werden, dann kann das nicht toleriert werden.“

Russland hat nach ukrainischen Angaben im Gebiet Donezk eine größere Offensive gestartet. „Im Raum Donezk führt der Feind eine Angriffsoperation Richtung Bachmut und Awdijiwka durch“, teilte der ukrainische Generalstab in seinem Lagebericht am Freitag mit. Mit den Gefechten versuchen die russischen Truppen demnach, sich in eine gute Ausgangsposition für die Eroberung der Städte Soledar und Bachmut zu bringen und ihre Kontrolle auf das Gebiet westlich von Donezk zu erweitern. Die Städte Soledar und Bachmut sind Teil der ukrainischen Verteidigungslinie östlich der Großstädte Slowjansk und Kramatorsk. Dort lebten vor dem Krieg mehr als eine halbe Million Menschen. Es ist der letzte Großraum im Donbass unter Kontrolle der ukrainischen Regierung.

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Besatzer sprechen von Feuer im Atomkraftwerk Saporischschja

In der Großstadt Mykolajiw nahe der Front im Süden des Landes wurde im Kampf gegen Kollaborateure Russlands eine Ausgangssperre von Freitagabend bis Montagfrüh verhängt. Die Kontrolle ihrer Einhaltung sei in verschiedenen Stadtteilen geplant, teilte der Gouverneur der Region mit.

Russische und die ukrainische Stellen bezichtigen sich gegenseitig der Angriffe im Bereich des südukrainischen Atomkraftwerks Saporischschja. Die russischen Besatzer in der Region sprachen am Freitag davon, dass Anlagen des Kraftwerks durch ukrainischen Artilleriebeschuss beschädigt worden seien. Die staatliche ukrainische Atomagentur Energoatom erklärte hingegen, russische Kräfte hätten eine Hochspannungsleitung beschossen. Laut westlichen Beobachtern nutzen russische Truppen das Atomkraftwerk als Schutzschild, um Ruhepausen einzulegen. Nach dem amerikanischen Außenminister Antony Blinken äußerte sich am Freitag auch der britische Geheimdienst in diesem Sinne.

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Russland versucht offenbar, kriegszerstörte Städte in den besetzten Gebieten mithilfe befreundeter Staaten wiederaufzubauen. Das belarussische Portal „zerkalo.io“ berichtet über Anwerbungsversuche in Minsker Chatgruppen. Eine russische Firma habe dort mit Inseraten nach Bauarbeitern für den Wiederaufbau einer kriegszerstörten Schule in der Hafenstadt Mariupol gesucht. Das Portal „Daily NK“ meldete, die nordkoreanische Regierung wolle mehr als 1000 Arbeiter, die sich derzeit in Russland aufhalten, in den Donbass schicken.

Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Putzbach, Robert
Robert Putzbach
Redakteur in der Politik
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