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Ein leeres Herz

Von ALEXANDER HANEKE und FRANCOIS KLEIN (Foto und Video)

27.01.2020 · Lidia hieß früher Ludmila. Sie war drei, als sie ins KZ Auschwitz kam. Dort wurde ihr die Liebe ausgetrieben. Heute kann sie immerhin darüber reden.

V on ihrem alten Leben sind ihr nur ein paar Augenblicke geblieben. Einzelne Bilder, unscharf, die sie in ihrer Erinnerung trägt. Etwa von der Großmutter, wie sie vor einer Scheune stand, ihr einen Becher Milch eingoss und dann den Rest der Katze gab. Eine kleine Narbe an der Augenbraue hat sie auch noch aus der Zeit, in der sie das kleine Mädchen Ludmila Boscharowa war. Auf dem Schoß der Mutter war sie in den Wald geritten und hatte sich an einem Ast die Stirn aufgeschlagen.

Vielleicht zählt zu dem alten Leben auch noch das Hundegebell, an das sie sich erinnert, als die Türen des roten Eisenbahnwaggons aufgingen. Und wie sie der Mutter die schönen Zöpfe abschnitten. Ganz nackt musste sich diese stolze Frau dann ausziehen, das hat die Tochter heute noch vor Augen. Doch ob das so geschehen ist, ob es diese Szenen wirklich gab oder ob sie erst später in ihrem Kopf entstanden sind, wer kann das nach so langer Zeit schon sagen. Sicher ist nur, dass sie am 4. Dezember 1943 nach Auschwitz kam. Zehn Tage später wurde sie drei Jahre alt.

Lidia Maksymowicz steht in der Lagerbaracke, in der sie als Kind in Auschwitz inhaftiert wurde.

„Ich hatte in meinem Leben immer wieder Glück“, sagt Ludmila, die heute Lidia heißt und bald achtzig Jahre alt wird. Als das Konzentrationslager Auschwitz am 27. Januar 1945 von der Roten Armee befreit wurde, hatte das kleine Mädchen überlebt. Ein kinderloses Paar aus dem Dorf Birkenau, das eigentlich Brzezinka heißt, kam damals in das Lager und nahm das Kind auf. Sie nannten es Lidia.


„Ich war ein sehr diszipliniertes Kind. Ich wusste irgendwie, man muss alles über sich ergehen lassen, still sitzen, um nicht aufzufallen.“
Lidia Maksymovicz, 79 Jahre, Überlebende von Auschwitz

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Quelle: F.A.S.

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