FAZ plus ArtikelNach der Flugzeugentführung

Lukaschenko gibt den Putin

Von Friedrich Schmidt, Moskau
26.05.2021
, 21:22
Malen ähnliche „Bedrohungen“ an die Wand: Der belarussische Machthaber Alexandr Lukaschenko und Russlands Präsident Wladimir Putin
Alexander Lukaschenko verstrickt sich bei der Erklärung der Entführung des Journalisten Roman Protassewitsch in Widersprüche. Der Diktator in Belarus bemüht ähnliche Feindbilder wie Russlands Präsident Putin.
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Am Mittwoch, die Aufregung um das Schicksal von Flug FR4978 war in den vierten Tag gegangen, äußerte sich Alexander Lukaschenko erstmals öffentlich zur Umleitung des Flugzeugs nach Minsk. Für Belarus, das nach eigener Aussage „Liebste“ des 66 Jahre alten Alleinherrschers, ist die gegenwärtige Lage beispiellos: Die Isolierung vom Flugverkehr schreitet voran, neue Sanktionen drohen. Lukaschenko aber klang derb und wütend wie stets, und auch die Funktionäre vor seinem Rednerpult saßen da wie so oft, die Mienen gleichsam versteinert, unbeteiligt. Denn die Beschwörung von inneren und äußeren Feinden, „Übelwollenden“ in Lukaschenkos Worten, ist Routine.

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Der Diktator lieferte eine neue Version dazu, wie es zur Flugzeugumleitung kam. Die Meldung über eine Bombe an Bord sei „aus der Schweiz“ gekommen, und zwar an den Startflughafen Athen, den planmäßigen Zielflughafen Vilnius und den Flughafen Minsk. Details nannte Lukaschenko nicht. Zuvor hatte sein Regime verbreitet, die Information über die angebliche Bombe an Bord sei aus Athen und Vilnius gekommen und hatte behauptet, das Flugzeug habe selbst um Erlaubnis ersucht, in Minsk zu landen. Um zu illustrieren, dass Belarus gleichsam in die Sache hineingerutscht sei, hatte das Staatsfernsehen Aussagen aus einem Dialog eines Fluglotsen mit einem der Piloten von Flug FR4978 schlicht vertauscht, so dass es sich anhörte, es sei den Piloten von dritter Seite empfohlen worden, in Minsk zu landen, während tatsächlich die Flugleitung die Landung dort nahelegte.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt/ Schmidt, Friedrich
Friedrich Schmidt
Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.
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