Besuch in Buffalo

Biden verurteilt Ideologie der „Vorherrschaft der Weißen“

Von Sofia Dreisbach, Buffalo
17.05.2022
, 23:06
Präsident Joe Biden mit einem Jungen, dessen Vater in Buffalo erschossen wurde.
Der amerikanische Präsident trifft sich in Buffalo mit Angehörigen der Opfer, Polizisten und Ersthelfern. Seine Landsleute nimmt er in die Pflicht.
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Während seines Besuchs in Buffalo hat der amerikanische Präsident Joe Biden das rassistische Gedankengut der „Vorherrschaft der Weißen“ als „Gift“ bezeichnet. Er verurteile all jene, die diese Ideologie für Macht, politische Vorteile oder Profit verbreiteten. „Ich fordere alle Amerikaner auf, sich gegen diese Lüge zu stellen“, sagte Biden am Dienstag nach einem Treffen mit Überlebenden und Angehörigen der Opfer. Bei dem rassistisch motivierten Massaker hatte ein 18 Jahre alter Mann, Anhänger der Ideologie der „Vorherrschaft der Weißen“, am Samstag in einem Supermarkt zehn Personen erschossen, vornehmlich Schwarze. Biden nannte dies in Buffalo abermals „Inlandsterrorismus“.

Diese Gewalt könne „nicht die Geschichte unserer Zeit sein“ sein. Zwar könne diese nicht vollständig gestoppt werden, man könne aber „Angriffswaffen von unseren Straßen fernhalten“. Der Täter konnte trotz einer psychiatrischen Begutachtung im vergangenen Jahr ungehindert eine Waffe kaufen. Eigentlich gibt es für solche Fälle ein Gesetz, das Personen, die eine Gefahr für sich oder andere darstellen könnten, den Erwerb von Waffen untersagt. Im Juni 2021 hatte der Täter in seiner Schule geäußert, er plane einen Amoklauf, und das hinterher als Scherz abgetan.

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Beiträge des Täters im Messengerdienst Discord lassen vermuten, dass er sich über Monate auf den Angriff vorbereitete. Neben rassistischen und antisemitischen Äußerungen hatte er dort auch geschrieben, er überlege, die Tat am 15. März zu begehen – dem Jahrestag des Attentats im neuseeländischen Christchurch, bei dem ein Rechtsextremist 2019 in zwei Moscheen 51 Menschen getötet hatte. Wohl auch deswegen war der Täter Anfang März schon einmal in Buffalo gewesen und hatte den Supermarkt ausgespäht.

Bevor Biden wieder nach Washington zurückflog, äußerte er sich am Dienstagnachmittag am Flughafen von Buffalo vor Journalisten zu Details der Gespräche mit den Angehörigen. „Meine Botschaft war: Sie werden lange mit Schmerz erfüllt sein. Aber es wird der Moment kommen, in dem sie […] an die Person denken, die sie verloren haben, und lachen, bevor sie weinen.“ Und dieser Zeitpunkt werde kommen. In seiner Ansprache hatte er an die Familien gerichtet gesagt: „Wir sind hier, um mit Euch zu trauern.“ Es sei nicht dasselbe, aber sie wüssten, was es heiße, einen „Teil seiner Seele“ zu verlieren, wenn man einen Sohn verliere. Jill und Joe Bidens Sohn Beau war 2015 mit 46 Jahren an den Folgen eines Hirntumors gestorben.

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Von Journalisten danach gefragt, ob einige Republikaner im Kongress, die die Theorie der „Verdrängung der Weißen“ vertreten hatten, Schuld an Angriffen wie dem in Buffalo trügen, sagte Biden: „Ich finde, jedem, der diese Theorie wiederholt, kann man Schuld gegeben“, jedoch „nicht für dieses bestimmte Verbrechen“. Es gehe denjenigen nur um politischen Profit. „Da ist falsch. Das ist einfach falsch.“

Der frühere Sprecher des Repräsentantenhauses Newt Gingrich hatte im August etwa auf Fox News gesagt, die Linken versuchten, die „traditionellen, klassischen Amerikaner mit so vielen Menschen wie möglich zu überfluten“, die nichts über amerikanische Geschichte, Tradition oder das Gesetz wüssten. Die New Yorker Kongressabgeordnete Elise Stefanik hatte im September auf Facebook behauptet, die Demokraten beeinflussten die Wahlen, indem sie illegale Migranten ins Land ließen, welche die „aktuelle Wählerschaft stürzen“ und „eine liberale Mehrheit in Washington“ etablierten.

Die republikanische Kongressabgeordnete Liz Cheney aus Wyoming übte mit Blick auf Buffalo scharfe Kritik an ihrer Partei. Cheney, eine der wenigen konservativen Trump-Kritiker, schrieb am Montag auf Twitter, die republikanische Führung des Repräsentantenhauses habe „weißen Nationalismus, Vorstellungen weißer Vorherrschaft und Antisemitismus“ befördert. Die Führung der Republikaner müssen sich von diesem Gedankengut und seinen Vertretern distanzieren.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Dreisbach, Sofia
Sofia Dreisbach
Politische Korrespondentin für Nordamerika mit Sitz in Washington.
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