Biden in Seoul

Amerika und Südkorea schärfen die Verteidigung gegen den Norden

Von Patrick Welter, Tokio
21.05.2022
, 13:10
Der südkoreanische Präsident Yoon mit US-Präsident Biden am Samstag in Seoul
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Die USA und Südkorea wollen wieder mehr Manöver auf der koreanischen Halbinsel abhalten. Präsident Joe Biden schließt ein Treffen mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un nicht aus, nennt dafür aber Bedingungen.
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Die Vereinigten Staaten und Südkorea haben vereinbart, ihre gemeinsamen Manöver auszuweiten und falls notwendig mehr amerikanische Waffen in Südkorea zu stationieren. Es ist das bislang deutlichste Zeichen, dass unter dem neuen südkoreanischen Präsidenten Yoon Suk-yeol eine neue Linie verstärkter Abschreckung gegen die Bedrohung aus Nordkorea greift. Yoon hatte am Samstag den amerikanischen Präsidenten Joe Biden zu einem ersten Gipfeltreffen in Seoul empfangen. Eine Reaktion des Regimes in Pjöngjang gab es zunächst nicht.

Yoon und Biden hielten vor Journalisten die Hand ausgestreckt, um Nordkorea mit Impfstoff gegen die Corona-Pandemie zu versorgen. Biden schloss auch ein Treffen mit dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong-un nicht aus.

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Man habe vereinbart, Diskussionen über eine Ausweitung der gemeinsamen militärischen Übungen auf und in der Nähe der koreanischen Halbinsel aufzunehmen, heißt es in der gemeinsamen Erklärung nach dem Gipfeltreffen von Biden und Yoon. Biden bestätigte die Bereitschaft, sogenannte strategische Aktiva nach Südkorea zu verlegen, sollte sich das zur Abschreckung als notwendig erweisen. Damit sind üblicherweise Langstreckenbomber, mit Raketen bestückte U-Boote oder Flugzeugträger gemeint.

Diplomatische Annäherung an Nordkorea erfolglos

Der Fokus auf die erhöhte Verteidigungsbereitschaft entspricht den Wünschen Yoons und zeigt eine Neuorientierung im Verhältnis zu Nordkorea. Besonders deutlich wird das am Beispiel der Verteidigungsmanöver, die seit 2018 nur noch in kleinerem Ausmaß und weitgehend am Computer stattgefunden hatten. Nordkorea wertet die Manöver üblicherweise als Angriffsübungen und verlangt, dass sie eingestellt werden.

Unter Yoons Vorgänger Moon Jae-in waren die Übungen zurückgefahren worden, um den Boden für eine diplomatische Annäherung an Nordkorea zu bereiten, die letztlich erfolglos blieb. Moon kam dabei entgegen, dass der damalige Präsident Donald Trump große Vorbehalte gegen das teure Engagement amerikanischer Truppen im Ausland hatte.

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Corona in Nordkorea
Machthaber Kim kritisiert Behörden
Video: Reuters, Bild: dpa

Mehr Manöver sind nicht die einzige Antwort auf die Bedrohung aus Nordkorea, das in diesem schon sechzehn Mal Raketen getestet und damit gegen Auflagen der Vereinten Nationen verstoßen hat. Biden bekräftigte in Seoul die Verpflichtung der Vereinigten Staaten, Südkorea im Notfall mit nuklearen, konventionellen und Raketenwaffen zu verteidigen. Auch soll eine Arbeitsgruppe beider Länder für eine erweiterte Verteidigungsstrategie, die zuletzt 2018 tagte, schnellstmöglich ihre Arbeit wieder aufnehmen.

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Biden und Yoon bekräftigten die Forderung nach einer kompletten Denuklearisierung Nordkoreas, also des Verzichts auf Nuklearwaffen. Sie ließen die Tür für einen Dialog aber offen. Ein Treffen mit dem nordkoreanischen Führer hänge davon ab, ob er „ernsthaft und aufrichtig“ sei, sagte Biden vor Journalisten. Die Vereinigten Staaten hätten China und Nordkorea Impfstoffe gegen Covid-19 angeboten, sagte Biden. „Wir erhielten keine Antwort.“ Ebenso erging es Südkorea und seinem Hilfsangebot.

Nordkorea hatte in diesem Monat zugegeben, dass das Coronavirus das Land erreicht habe. Am Samstag meldete das Land etwa 220.000 neue Infektionsfälle. Insgesamt sollen bisher 66 Menschen in Nordkorea an Covid-19 gestorben sein. Die Gesamtzahl der bisher gemeldeten Infektionen erreicht etwa 2,46 Millionen. Das sind fast zehn Prozent der Bevölkerung des Landes.

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Quelle: FAZ.NET
Autorenporträt / Welter, Patrick
Patrick Welter
Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.
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