FAZ plus ArtikelBiden und Erdogan

Die Türkei in der NATO halten

Von Rainer Hermann
04.05.2021
, 07:04
Sein Vorgänger schonte den türkischen Präsidenten. Der neue amerikanische Präsident Biden schlägt eine härtere Gangart gegenüber Erdogan an. Doch beide wollen ihr Verhältnis als NATO-Partner nicht weiter verschlechtern.

Die Präsidentschaft von Joe Biden hat für die Türkei nicht gut begonnen. Den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan hatte er drei Monate warten lassen, bis er ihn schließlich angerufen hat. Und als er es tat, teilte er ihm mit, dass er am folgenden Tag eine Stellungnahme zum Genozid an den Armeniern im Jahr 1915 abgeben werde. Ein neuer Tiefpunkt im Verhältnis zwischen Washington und Ankara ist erreicht. Keiner der beiden will aber, dass sie sich noch weiter auseinanderleben.

So hat die Türkei darauf verzichtet, das gesamte propagandistische Geschütz aufzufahren, das sie sonst in der Vergangenheit beim Stichwort Armeniergenozid eingesetzt hatte. Und in der Mitteilung des Weißen Hauses nach dem Telefonat war der Blick nach vorne gerichtet. Biden habe Erdogan sein Interesse an konstruktiven Beziehungen bekundet, hieß es dort. Das umfasse eine größere Kooperation und einen „effektiven Umgang mit Meinungsverschiedenheiten“. Denn die NATO-Partner müssen heute Mechanismen entwickeln, wie sie sich in Zukunft zueinander verhalten, wenn beide Seiten unterschiedliche Interessen verfolgen. Sie können sich nicht mehr wie in der Vergangenheit auf den Rahmen ihrer transatlantischen Zusammenarbeit verlassen.

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Quelle: F.A.Z.
Autorenporträt / Hermann, Rainer
Rainer Hermann
Redakteur in der Politik.
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