Immunisierung gegen Corona

In acht Tagen 140.000 Briten geimpft

Von Jochen Buchsteiner, London
16.12.2020
, 18:36
Die Priorität bei den Impfungen liegt bei den Über-Achtizgjährigen
Bis Weihnachten sollen Millionen Briten gegen das Coronavirus geimpft sein. Die Kosten werden auf mehr als elf Milliarden Pfund geschätzt. Dabei sind mögliche Folgeprogramme noch nicht berücksichtigt.
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Acht Tage nachdem die erste Frau im Königreich mit dem Impfstoff von Biontech und Pfizer geimpft wurde, haben fast 140.000 Menschen in Großbritannien ihre erste Injektion erhalten. Der für das Impfen zuständige Staatssekretär Nadhim Zahawi teilte am Mittwoch mit, dass mittlerweile 108.000 Menschen in England gegen das Coronavirus geimpft wurden, 18.000 in Schottland, fast 8000 in Wales und 4000 in Nordirland. Der britische Gesundheitsminister Matt Hancock äußerte seine Hoffnung, dass bis zum Weihnachtsfest „mehrere Millionen“ Menschen die erste Injektion erhalten haben werden.

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Bisher werden die Impfungen vor allem in Krankenhäusern und in Altenheimen angeboten. Die Massenimpfzentren, die in Stadien und Messehallen errichtet werden, haben noch nicht ihre Tore geöffnet. Der Nationale Gesundheitsdienst NHS verabreicht den Impfstoff zur Zeit ausschließlich an Personen, die mehr als 80 Jahre alt sind, an medizinisches Personal und an Pfleger. Der britische Gesundheitsdienst rechnet damit, dass bis Ende kommenden Jahres 25 Millionen Einwohner vollständig geimpft sein werden, also zwei Injektionen erhalten haben. Dadurch dürften die meisten Briten, die älter als 50 Jahre alt sind, gegen das Coronavirus geschützt sein.

Die Arbeitsgruppe Impfschutz hat 40 Millionen Dosen des deutsch-amerikanischen Impfstoffs bestellt sowie weitere 227.000 Dosen anderer Hersteller. Die größten Hoffnungen liegen auf dem an der Universität Oxford entwickelten und von AstraZeneca produzierten Serum. Von diesem wurden 100 Millionen Dosen bestellt. Der Vorteil liegt darin, dass dieser Impfstoff bei Kühlschranktemperaturen aufbewahrt werden kann. Das vereinfacht die Logistik erheblich. Außerdem basiert er auf einer traditionelleren Herstellungsweise. Der Impfstoff aus Oxford ist allerdings noch nicht von der nationalen Zulassungsbehörde des Königreichs freigegeben. Die klinischen Studien waren bisher nicht einwandfrei.

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Bislang gibt es keine Informationen darüber, wie viele Menschen sich der freiwilligen Impfung verweigert haben. In der vergangenen Woche wurde über zwei Pfleger berichtet, die auf den Impfstoff mit allergischen Reaktionen reagiert hatten. Der NHS wies darauf hin, dass beide eine Vorgeschichte mit schweren Allergien gegen Medikamente gehabt hätten und empfahl, fortan Menschen mit derartigen Problemen nicht zu impfen. Die beiden Betroffenen sollen sich rasch von den Beschwerden erholt haben. Laut Umfragen zeigen sich etwa zwei Drittel der Briten sehr (42 Prozent) oder ziemlich (25 Prozent) zu einer Impfung entschlossen, etwa zwanzig Prozent wollen sich auf jeden Fall weigern, und etwa zwölf Prozent sind unentschieden.

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Laut des unabhängigen „National Audit Office“ (NAO) hat die britische Regierung 2,9 Milliarden Pfund für den Erwerb der Impfstoffe ausgegeben. Mehr als 900 Millionen davon hat London unabhängig von ihrer Zulassung zugesagt. Für das gesamte britische Impfprogramm rechnet das NAO mit Ausgaben von mehr als elf Milliarden Pfund. Nicht eingerechnet sind dabei die Kosten für Folgeprogramme und mögliche Haftungszahlungen.

Quelle: F.A.Z.
Jochen Buchsteiner - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Jochen Buchsteiner
Politischer Korrespondent in London.
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