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In vier Bundesländern

Bundesweite Razzia gegen Clankriminalität

Von Helene Bubrowski und Julia Schaaf
24.10.2019
, 14:17
Polizisten bei eine Razzia in Berlin (Archiv) Bild: dpa
Hunderte Bundespolizisten gehen in einer konzertierten Aktion gegen kriminelle Clans vor. Sicherheitsfachleute in Berlin sehen Deutschland auf einem guten Weg, das Problem in den Griff zu bekommen.
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Die Bundespolizei ist in einer konzertierten Aktion in vier Bundesländern gegen Clankriminalität vorgegangen. Aus Sicherheitskreisen heißt es, 400 Beamte der Bundespolizei hätten am Donnerstagmorgen Wohnungen und Geschäftsräume von Mitgliedern arabischstämmiger Familien in Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen, Saarland und Berlin durchsucht.

Gegenstand der Ermittlungen sind Schleusungen von syrischen Flüchtlingen nach Deutschland und in die Niederlande seit August 2018. Die verdächtigen Clanmitglieder sollen Visumsetiketten unterschlagen und so den Flüchtlingen zur Einreise verholfen haben. Ermittelt wird außerdem wegen gewerbs- und bandenmäßigen Eigentumsdelikten. Die Staatsanwaltschaft Trier habe vier Haftbefehle und 26 Durchsuchungsbefehle ausgestellt, heißt es in Sicherheitskreisen. Das Ermittlungsverfahren werde unter dem Namen „Krabat“ geführt.

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Fast zeitgleich sind in Berlin Vertreter von Sicherheitsbehörden und Politik zusammengekommen, um über Strategien zur Bekämpfung von Clankriminalität zu diskutieren. Groß war die Einigkeit, dass ein Kriminalitätsphänomen, das sich über Jahrzehnte ausbreiten konnte, seit vergangenem Jahr endlich mit dem notwendigen politischen und gesellschaftlichen Rückhalt bekämpft werde. Trotzdem sagte der Berliner Innensenator Andreas Geisel (SPD), dass es einen langen Atem brauche.

Der Berliner Oberstaatsanwalt Sjors Kamstra beschrieb, dass nach wie vor „dreisteste Taten auf offener Straße vor laufender Kamera“ begangen würden. Die Clanmitglieder vermittelten die Aura, dass der Staat nichts tun könne. Kamstra sagte, klassische Ermittlungsmethoden griffen zu kurz, weil die Clans aufgrund ihrer finanziellen Potenz und ihres Drohpotentials Zeugen manipulieren und zum Verstummen bringen würden. Viele „flüchten sich in die Amnesie“, so Kamstra. Er forderte deshalb besseren Zeugenschutz. Derzeit seien die Ermittler vor allem auf „objektive Beweismittel“ angewiesen wie Daten aus Computern und DNA-Proben. Allerdings dauere die Auswertung der Datenträger in Berlin mitunter Monate oder sogar Jahre, weil es an Personal fehle.

Als Erfolgsmodell in Berlin gilt der Neuköllner Ansatz: „Nadelstiche“ und Null-Toleranz. Das heißt, das die Polizei gemeinsam mit anderen Behörden bei jeder sich bietenden Gelegenheit kontrolliert: von den hygienischen Standards in Lokalen bis zu den Gästen auf einer arabisch-libanesischen Hochzeit. Der Neuköllner Bezirksbürgermeister Martin Hikel (SPD) sagte: „Nadelstiche nerven vielleicht nur, aber in der Summe, das tut weh.“

Quelle: FAZ.NET
Helene Bubrowski
Politische Korrespondentin in Berlin.
Julia Schaaf
Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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