Putsch in Burkina Faso

Hunderte Menschen feiern Machtübernahme des Militärs

25.01.2022
, 10:42
Menschen feiern die Machtübernahme des Militärs in Burkina Faso in der Hauptstadt Ouagadougou.
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Der Staatsstreich ist vollzogen. Das Militär hat eine eine „Rückkehr zur verfassungsmäßigen Ordnung“ innerhalb einer „angemessenen Zeit“ versprochen. UN-Generalsekretär Guterres verurteilt den Militärputsch.
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Nach einer Meuterei von Soldaten in Burkina Faso hat das Militär laut eigenen Angaben die Macht im Land übernommen. Soldaten erklärten am Montagabend im Staatsfernsehen, die Regierung sei abgesetzt und das Parlament aufgelöst worden. In der Hauptstadt Ouagadougou gingen hunderte Menschen auf die Straße, um zu feiern. Die Vereinten Nationen, die USA und die EU verurteilten das Vorgehen des Militärs scharf.

Der Soldat Kader Ouedraogo verlas im Auftrag einer Militärgruppierung, die sich Patriotischen Bewegung für den Schutz und die Wiederherstellung (MPSR) nennt, eine Erklärung. Unterzeichnet war diese von Oberstleutnant Paul-Henri Sandaogo Damiba, der als neuer starker Mann in dem westafrikanischen Land gilt.

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Die Militärs verhängten eine nächtliche Ausgangssperre. In ihrer im Fernsehen und auf Facebook verbreiteten Videobotschaft verkündeten die Soldaten zudem, dass die Grenzen für vier Tage geschlossen würden. Sie versprachen eine „Rückkehr zur verfassungsmäßigen Ordnung“ innerhalb einer „angemessenen Zeit“.

Armee verspricht Fokus „auf das Wesentliche“

Vor Beginn der Ausgangssperre hatten hunderte Unterstützer auf den Straßen mit Jubelrufen und Trillerpfeifen gefeiert. „Es ist ein Sieg, ein Neuanfang für das burkinische Volk mit dem Sturz eines unfähigen Regimes“, sagte Amado Zoungrana der Nachrichtenagentur AFP. Serge Compaoré forderte, die Armee müsse sich „auf das Wesentliche“ konzentrieren, nämlich das Land „von den terroristischen Gruppen zu befreien, die uns schon genug Leid gebracht haben“.

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Unklar war am Montagabend der Verbleib von Präsident Roch Marc Christian Kaboré. Auf dessen Twitter-Account veröffentlichte das staatliche Fernsehen RTB einen handgeschriebenen Brief mit seiner Unterschrift. Darin erklärte er seinen „Rücktritt“.

Die Militärs hatten erklärt, dass ihre Machtübernahme „ohne Blutvergießen und ohne jegliche körperliche Gewalt“ gegen Festgenommene erfolgt sei. Dabei machten sie allerdings keine Angaben zur Identität der Betroffenen. Diese würden „unter Wahrung ihrer Würde an einem sicheren Ort festgehalten“.

Am Sonntagabend waren in der Nähe der Residenz des Staatschefs Schüsse zu hören gewesen. Ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP sah am Montagmorgen in der Nähe der Präsidentenresidenz drei Fahrzeuge mit Einschusslöchern. An einem davon waren Blutspuren zu sehen.

Vereinte Nationen und Afrikanische Union verurteilen den Putsch

Die Vereinten Nationen verurteilten das Vorgehen des Militärs als „Staatsstreich“. UN-Generalsekretär António Guterres verfolge die Entwicklung mit großer Sorge und sei beunruhigt über das Schicksal des rechtmäßigen Präsidenten Kaboré, teilten die UN mit. Sie riefen die Verantwortlichen auf, „die Waffen niederzulegen“ und die „körperliche Unversehrtheit“ des Präsidenten zu gewährleisten. Die Afrikanische Union (AU) verurteilte das Vorgehen ebenfalls als „Putschversuch gegen den demokratisch gewählten Präsidenten“.

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Die USA und die Europäische Union forderten die „sofortige Freilassung“ Kaborés. Auch die Wirtschaftsgemeinschaft Westafrikanischer Staaten (Ecowas) erklärte, sie verfolge die Situation in Burkina Faso „mit großer Sorge“. Frankreich warnte seine Bürger vor Reisen in das Land. Das Auswärtige Amt in Berlin riet Deutschen in Burkina Faso wegen der unklaren Lage, „nach Möglichkeit“ zu Hause zu bleiben.

Kampf gegen dschihadistische Milizen

Bereits am Wochenende hatte es heftige Proteste gegen die Regierung und Aufstände in mehreren Kasernen des Landes gegeben. Das Militär wirft Kaboré vor, im Kampf gegen radikalislamische Milizen versagt zu haben.

Kaboré war 2015 an die Staatsspitze gewählt worden. Fünf Jahre später wurde er auch aufgrund seines Versprechens wiedergewählt, dem Kampf gegen dschihadistische Milizen Vorrang einzugestehen. Den schlecht ausgerüsteten burkinischen Streitkräften gelang es jedoch nicht, das Blutvergießen zu stoppen. Seit 2015 wurden etwa 2000 Menschen in der Region von Dschihadisten getötet, rund 1,5 Millionen weitere wurden aus ihren Häusern vertrieben.

Quelle: AFP
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