Massive Kampagne

China impft Kinder ab drei Jahren

Von Friederike Böge, Peking
26.10.2021
, 14:49
Über die Stadt Lanzhou wurde am Dienstag ein Lockdown verhängt. Die vier Millionen Einwohner dürfen ihre Häuser und Wohnungen nur noch in Ausnahmefällen verlassen.
In verschiedenen chinesischen Provinzen werden Kinder ab drei Jahren gegen das Coronavirus geimpft. Die Impfung ist offiziell freiwillig. Doch die Behörden üben „ermutigenden“ Druck auf die Eltern aus.
ANZEIGE

In China werden nun auch Kinder ab drei Jahren gegen das Coronavirus geimpft. Mehrere Kommunen und Provinzregierungen kündigten in dieser Woche den Start einer entsprechenden Kampagne an. Auf der Tropeninsel Hainan und in der ostchinesischen Provinz Zhejiang hieß es, Kindergartengruppen und Grundschulklassen sollten kollektiv zur Immunisierung gehen. Das nationale Bildungsministerium hat betont, dass die Teilnahme freiwillig sei.

ANZEIGE

Die Grenze zwischen Pflicht und Freiwilligkeit wird von den Lokalregierungen allerdings unterschiedlich ausgelegt. Auf Hainan verschickten die Behörden Briefe an die Eltern, in denen es heißt, zum Wohle ihrer Kinder sollten sie eine „korrekte Einstellung haben und die Impfung Ihres Kindes aktiv unterstützen“.

„Aktive Anleitung“ durch Behörden

Im Behördenchinesisch heißt das „aktive Anleitung“. Die Zentralregierung ermahnte die lokalen Behörden, dabei nicht zu robust vorzugehen. Ein Sprecher des Bildungsministeriums erklärte, die Eltern „nicht mit Mitteln des Zwangs zu ermutigen, insbesondere nicht als Voraussetzung für die Aufnahme von Schülern in Grund- und weiterführende Schulen“. Eine Lehrerin berichtete der F.A.Z., an ihrer weiterführenden Schule seien die Schüler so lange „ermutigt“ worden seien, bis sich auch die letzten hätten impfen lassen. So wurde unter Zwölf- bis Siebzehnjährigen eine Impfquote von über neunzig Prozent erreicht.

Bereits im Juni hatte die zuständige chinesische Aufsichtsbehörde zwei inaktivierte Impfstoffe der Hersteller Sinovac und Sinopharm für die Altersgruppe zwischen drei und 17 Jahren zugelassen. Zunächst wurden jedoch die älteren Jahrgänge vorgezogen. Im September hatte ein Corona-Ausbruch an vier Grundschulen und zwei Kindergärten in der Provinz Fujian die Rufe nach Impfungen von jüngeren Kindern laut werden lassen. Eine aktuelle Studie der Fachzeitschrift Lancet bewertet das Sinopharm-Vakzin für Kinder diesen Alters als „sicher und gut verträglich“. Auch in Kambodscha, Chile, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Argentinien haben die beiden chinesischen Vakzine inzwischen die Notfallzulassung für Kinder ab drei beziehungsweise sechs Jahren erhalten.

In zahlreichen chinesischen Provinzen wurden unterdessen die Corona-Beschränkungen wieder verschärft, nachdem in den vergangenen Tagen gut 200 Neuinfektionen gemeldet wurden. Über die Stadt Lanzhou wurde am Dienstag ein Lockdown verhängt. Die vier Millionen Einwohner dürfen ihre Häuser und Wohnungen nur noch in Ausnahmefällen verlassen. Auch einzelne Wohngebiete in der Hauptstadt Peking wurden abgesperrt. Der für Sonntag geplante Marathonlauf wurde abgesagt.

ANZEIGE

In der Hauptstadt sind die Auflagen auch wegen der im Februar bevorstehenden Olympischen Winterspiele besonders streng. Reisende aus Städten, in denen in den vergangenen zwei Wochen ein oder mehrere Infektionen gemeldet wurden, dürften nur noch in dringenden Fällen nach Peking einreisen, sagte der stellvertretende Leiter des Pekinger Büros für öffentliche Sicherheit. Selbst Bewohner von Peking werden an der Stadtgrenze abgewiesen.

Quelle: F.A.Z.
Friederike Böge
Friederike Böge
Politische Korrespondentin für China, Nordkorea und die Mongolei.
Twitter
  Zur Startseite
Verlagsangebot
Verlagsangebot
ANZEIGE