FAZ plus ArtikelMachtergreifung der Taliban

Chinas Schadenfreude

Von Friederike Böge, Peking
16.08.2021
, 10:57
Die Bilder der hastigen Evakuierung dürfte Peking für sich nutzen: Amerikanische Soldaten machen sich auf den Weg nach Afghanistan.
Peking sieht im Scheitern der Militärintervention in Afghanistan einen Beleg für die schwindende Macht Amerikas – und hofft darauf, dass US-Verbündete wie Taiwan das Vertrauen in Washington verlieren.
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Der chinesische Propaganda-Apparat konnte sich am Montag die Schadenfreude über den amerikanischen Gesichtsverlust in Afghanistan nicht verkneifen. „Chinesische Internetnutzer machen Witze darüber, dass die Machtübergabe in Afghanistan sogar noch reibungsloser vonstattengeht als die Übergabe der Präsidentschaft in den Vereinigten Staaten“, schrieb der einflussreiche Chefredakteur der Parteizeitung Global Times, Hu Xijin, auf Twitter.

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Die Volkszeitung, die offizielle Stimme der Kommunistischen Partei, berief sich ebenfalls auf den angeblichen Volksmund und kommentierte, „die zwanzig Jahre Krieg enden wie ein Witz. Amerikanische Soldaten sind für nichts gestorben. Die Taliban sind zurück und der einzige Unterschied ist, dass viele Menschen gestorben sind und amerikanische Steuerzahler ihr Geld verschwendet haben, indem sie die militärisch-industriellen Tycoons gefüttert haben“. Jene Menschen, die fest an die USA geglaubt hätten, seien „von den Amerikanern wie Müll entsorgt worden“, schrieb die Volkszeitung weiter. Die Global Times nannte die Machtübernahme der Taliban in einem Kommentar „die klarste Demonstration der amerikanischen Kraftlosigkeit“. Das Land sei nicht mehr als ein „Papiertiger“.

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Friederike Böge
Friederike Böge
Politische Korrespondentin für China, Nordkorea und die Mongolei.
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