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Hilfe aus China und Russland

Wie selbstlos sind die Europäer?

EIN KOMMENTAR Von Klaus-Dieter Frankenberger
Aktualisiert am 22.03.2020
 - 21:48
„Aus Russland mit Liebe“ - Russische Hilfslieferung auf dem Weg nach Italien. Bild: dpa
China und Russland reagieren auf die Notlage in Europa schneller als so manches EU-Mitglied und helfen. Das wird nicht ohne Folgen bleiben.

Es ist ein schönes Zeichen grenzüberschreitender nachbarschaftlicher Zusammenarbeit in Krise und Not, das die Landesregierung in Stuttgart jetzt gesetzt hat: Schwerstkranke Corona-Patienten aus dem Elsass werden in Krankenhäusern in Baden-Württemberg behandelt, denn dort stehen (noch) lebenserhaltende Geräte zur Verfügung. Diese Patienten brauchen deshalb nicht mit Militärflugzeugen in den französischen Südwesten geflogen zu werden, sondern müssen nur die vergleichsweise kurze, aber hoffentlich rettende Fahrt über den Rhein auf sich nehmen.

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Das ist auch deshalb ein schönes Zeichen, weil es davon bislang nicht allzu viele gegeben hat. Die Wirklichkeit ist eben doch meist weniger selbstlos als die europäische Partnerschaft, die in Verträgen und in Reden zu Jahrestagen beschworen wird. Diejenigen, denen grenzüberschreitende Hilfe zuteil geworden ist, werden sich nach der Pandemie gewiss dankbar daran erinnern.

Italien könnte sich China und Russland künftig mehr verbunden fühlen

Das gilt auch für Italien, das von Covid-19 bislang so hart getroffen ist. Lieferungen medizinischer Ausrüstung sind bereits aus China eingetroffen, nun wurde die Entsendung von „acht mobilen Brigaden“ mit Virologen und Ärzten aus Russland angekündigt. Da viele Italiener angesichts der fürchterlichen Mortalitätszahlen ohnehin das Gefühl haben, sie würden von ihren europäischen Partnern im Stich gelassen, nicht zuletzt von Deutschland - ob das berechtigt ist oder nicht, sei dahingestellt -, wird die chinesische und russische Hilfe ihre Wirkung nicht verfehlen.

Diese Hilfe transportiert auch eine politische Botschaft: Während es mit der europäischen Hilfe für ein EU-Kernland und Nato-Mitglied, in dessen besonders betroffenen Regionen Krankenhäuser und medizinisches Personal die Grenzen der Belastbarkeit längst erreicht haben, offenbar nicht zum Besten steht, reagieren das kommunistische China und das autoritär regierte Russland auf die italienische Notlage. Ob sie ihre Hilfe selbst angeboten haben oder ob sie um Hilfe gebeten wurden, das Verhältnis Italiens zu diesen beiden Ländern wird künftig vermutlich ein anderes sein als bisher. Auch zu seinen „alten“ Partnern?

Quelle: F.A.Z.
Klaus-Dieter Frankenberger
verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik.
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