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Klassenkampf mit Corbyn

Vorwärts in die Vergangenheit!

EIN KOMMENTAR Von Jochen Buchsteiner, London
 - 17:12
Jeremy Corbyn bei der Vorstellung des Labour-Wahlprogramms

Europas darniederliegende Sozialdemokratie dürfte den offiziellen Wahlkampfauftakt Jeremy Corbyns elektrisiert verfolgt haben. Seit dem Ende der Ära Blair/Brown konnte die Labour Party mit ihren moderaten Programmen keine Unterhauswahl mehr gewinnen. Nun lautet die Devise: Vorwärts in die Vergangenheit! Der Labour-Vorsitzende hofft, dass die Briten den Staat wiederentdecken, den er mit vielen hundert Milliarden Pfund – und der Einverleibung bislang privater Schlüsselbranchen – anfüttern will, um den Arbeitsmarkt, den Wohlfahrtsstaat und die Infrastruktur des Landes zu „revolutionieren“. Das Wahlprogramm als radikalsten Umbauplan seit Jahrzehnten zu bezeichnen ist keine Übertreibung. So sozialistisch hat sich Labour zuletzt in den frühen achtziger Jahren präsentiert.

Um seine Botschaft unters Volk zu bringen, bedient sich Corbyn schamlos linkspopulistischer Feindbilder. Eine Stimme für den von ihm versprochenen „echten Wandel“ sei ein Votum gegen „die Reichen und Mächtigen“, gegen das „korrupte System“, das sich im Land breitgemacht habe, gegen „Banker, unseriöse Vermieter und Millionäre“, kurz: gegen „das Establishment“. Wie Corbyn mit solcher Rhetorik sein Ziel erreichen will, „die Gesellschaft wieder zusammenzuführen“, bleibt sein Geheimnis. (Wie ein derart überbordender Staatsinterventionismus im Rahmen der EU funktionieren würde, übrigens auch.)

Dass im Vereinigten Königreich einiges aus dem sozialen Lot geraten ist, lässt sich schwer bestreiten. Trotz des pulsierenden Arbeitsmarktes sind viele Menschen, vor allem im Norden Englands, in prekäre Verhältnisse abgerutscht. Jeder fünfte Brite lebt mittlerweile unter Bedingungen, die an Armut grenzen.

Es ist daher nicht auszuschließen, dass Corbyns Verheißung einer schönen neuen Welt die Sorgen um den Brexit verdrängen und auf fruchtbaren Boden fallen. Ob der Labour-Vorsitzende mit seinem klassenkämpferischen „Manifesto“ einen Weg aus der Krise der linken Volksparteien weist oder nur ein letztes, verzweifeltes Aufbäumen vorführt, wird am 12. Dezember entschieden; dann wird gewählt.

Quelle: F.A.Z.
Jochen Buchsteiner - Portraitaufnahme für das Blaue Buch "Die Redaktion stellt sich vor" der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
Jochen Buchsteiner
Politischer Korrespondent in London.
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