Corona

Eine Variante bedroht Südafrikas Erholung

Von Claudia Bröll, Kapstadt
26.11.2021
, 09:31
Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa mit einer Pflegerin im Oktober in Johannesburg
Gerade ging es Südafrika in der Pandemie eigentlich gut, der Tourismus lief. Doch jetzt verbreitet sich eine neue Virus-Mutante. Europäische Länder haben den Flugverkehr schon eingeschränkt.
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Gerade hat sich Südafrika von der dritten Infektionswelle erholt und sich auf die Haupttourismus-Saison vorbereitet. Bei einer niedrigen Sieben-Tages-Inzidenz von 42 ist das Alltagsleben in relativ normale Bahnen zurückgekehrt. An den Flughäfen, in Restaurants und an den Stränden herrscht reges Treiben, vollbesetzte Flugzeuge aus aller Welt landen täglich in Kapstadt und Johannesburg.

Jetzt hat die Entdeckung einer neuen, möglicherweise gefährlicheren Corona-Virusvariante sowohl im Land wie international Besorgnis ausgelöst. In der Nacht zum Freitag schränkten bereits Großbritannien und Israel den Reiseverkehr in die Region ein. Am Freitagmorgen zog die Bundesregierung nach. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen schrieb auf Twitter, die „Notbremse“ für den Flugverkehr in das südliche Afrika müsse gezogen werden. Die südafrikanische Landeswährung Rand fiel in der Nacht auf den schwächsten Wert gegenüber dem Dollar seit Jahresbeginn.

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Man könne derzeit nur darüber spekulieren, ob die Variante schlimmer sei als die Delta-Variante, sagte Wolfgang Preiser, Virologe von der Universität Stellenbosch, der F.A.Z. Die bisherigen Erkenntnisse seien abgeleitet von den beobachteten Mutationen, aber nicht durch Studien im Labor oder in der Bevölkerung bestätigt. Aber die Tatsache, dass diese Variante ungewöhnlich viele Mutationen aufweise, sei sicherlich besorgniserregend. „Da bestehen schon alle Warnzeichen für etwas Unangenehmes“.

Nach der Entdeckung der Beta-Variante waren Südafrika und andere afrikanische Länder Anfang dieses Jahres als Variantengebiet eingestuft worden. Jeder Reiserückkehrer nach Deutschland musste sich strikt 14 Tage lang in Quarantäne begeben. Erst nach Protesten, die Beta-Variante sei auch in Südafrika längst von der international grassierenden Delta-Variante verdrängt worden, wurden die Reisebeschränkungen im Juli aufgehoben.

Südafrika hat drei Infektionswellen hinter sich, jede fiel heftiger aus als die vorige. Die zweite Infektionswelle wurde von der ebenfalls in Südafrika entdeckten Beta-Variante und die dritte von der Delta-Variante angetrieben, die ansteckender ist als die Beta-Variante. Südafrikas Regierung hatte mit an die aktuelle Infektionslage angepassten Ausgangsbeschränkungen und Sonderregeln wie dem Verbot des Alkoholverkaufs auf die Infektionswellen reagiert.

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Bisher scheint die neue Variante vor allem die Infektionszahlen in der Provinz Gauteng mit Johannesburg und Pretoria in die Höhe zu treiben. Doch sie verbreite sich schnell, teilten südafrikanische Wissenschaftler mit. In den nächsten Tagen und Wochen seien Belastungen für das Gesundheitswesen zu erwarten. Der Gesundheitsminister Joe Phaahla rief die Bevölkerung auf, sich möglichst schnell impfen zu lassen.

Südafrika hat mittlerweile so große Impfvorräte, dass die Hersteller jüngst aufgefordert wurden, die Lieferungen zu drosseln. Doch die Impfskepsis in der Bevölkerung ist beträchtlich. Bisher sind erst 35 Prozent der Erwachsenen vollständig geimpft. Ein hoher Anteil der von B.1.1.529 infizierten Menschen sind jüngere Erwachsene. Es muss noch ermittelt werden, ob sie geimpft sind.

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Quelle: FAZ.NET
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Claudia Bröll
Politische Korrespondentin für Afrika mit Sitz in Kapstadt.
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